failed state lausitz

In der tiefen Nacht sitze ich im Auto, habe den Tempomat angeworfen und fahre gen Nordost. Nach vielen Stunden verlasse ich die Autobahn, gurke nach Welzow und starte den Morgen mit einem betrüblichen Blick auf den Braunkohletagebau Welzow. Hier schaufeln sich riesige Bagger seit 60 Jahren in die Erde hinein und werden es vermutlich auch noch die nächsten Jahrzehnte tun, während ich halbwegs sprachlos davorstehe und denke, dass es hierfür doch vernünftige Alternativen geben muss. Die gibt es mit Sicherheit und natürlich wäre es zu einfach gedacht, das hier mit sofortiger Wirkung zu beenden – ich überlasse das dann lieber Leuten mit Fachkenntnissen und fahre halbwegs verwirrt von dannen.

Ich fahre durch sämtliche Dörfer der Lausitz, starre unentwegt auf verlassene Häuser, Fabriken und ganze aufgegebene Straßenzüge. Um mir nach der vielen Fahrerei und dem, ähm, Kulturschock in Welzow die Beine zu vertreten, mache ich Halt in der Nähe von Cottbus am Barockschloss Branitz. Jetzt im Matschewinter ist der weitläufige Park nicht unbedingt allzu sehenswert, das Schloss nebst Marstall und den historischen Gewächshäusern dafür umso mehr. Der gesamte Gutshof ist öffentlich zugänglich und die Gebäude können zu großen Teilen auch besichtigt werden, sofern nicht gerade ein dümmlicher Lockdown einen daran hindert.

Nun habe ich genug der frischen Luft, könnte ein wenig Essen vertragen und muss ohnehin mal zur Toilette. Also befehle ich dem Navi, mich zum nächsten Supermarkt zu geleiten.

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