wanderschaft

Heute geht es bei herrlichem Sommerwetter auf die Autobahn. Ich sammle Frau E. ein und anschließend treffen wir auf der Autobahn auf Herrn K. Ein paar Stunden später sind wir dann auch schon auf dem Fernpaß, decken uns in Imst mit Fressalien ein und fahren dann weiter nach Längenfeld zu Familie O.

Hier gibt es neben der Begrüßung einige Kaltgetränke und bis spät in die Nacht sitzen wir beisammen. Eigentlich wären wir nun auf dem Wacken Open Air – pandamiebedingt findet das Festival natürlich nicht statt und so nutzen wir die freie Woche für die Berge.

Am nächsten Morgen geht es schon zeitig los, beim Bäcker holen wir Frühstück und quetschen uns dann in einen Bus. Der bringt uns durch Sölden und schließlich bis nach Vent. Hier ist Schluss, wir steigen aus und abgesehen von unserem Wanderführer-Kompagnon ahnt wohl keiner, was uns da erwartet. Noch trennen uns von unserer Schlafmöglichkeit rund 1.700 Höhenmeter und viele viele Kilometer.

Gleich zu Beginn ist die Steigung enorm, das Gepäck schwer und die Sonne gnadenlos – immerhin kühlt es mit jedem Höhenmeter ein wenig ab und Stunde um Stunde kommen wir voran. Die starken Steigungen machen wir eingerosteten Bengel ganz schön zu schaffen aber irgendwie geht es schon und wir queren die ersten Schneefelder. Zwischenzeitlich ist es Zeit für den Pullover geworden, wir marschieren am Rand eines Gletschers und haben das Ziel noch lange nicht in Sichtweite.

reiseabbruch & adoption

Eigentlich hätte unsere Tour noch eine Woche länger gehen sollen, nun sitzen wir aber im Kadett und fahren nachhause. Schon bevor wir losfuhren, hört ich von einem altersschwachen Kater der nur schwer vermittelbar ist und sein Dasein momentan im Tierheim fristet.

Kater „Meyson“ ist 18 Jahre alt, seine Dosenöffner sind verstorben und so landete er im Tierheim. Einige Zeit später wurde er an eine Familie vermittelt, wurde dann aber wieder zurückgebracht, da es mit Kindern so gar nicht klappt. Und so landete er schließlich nun bei uns und kann seinen Lebensabend in Ruhe genießen.

Noch in Spanien haben wir uns mittels Onlinebestellungen mit allem eingedeckt das man so benötigt und holen dann schon am Morgen nach unserer Rückkehr den Stubentiger ab.

Zuhause wartet neben der Katze noch ein weiteres Schmankerl auf mich – seit Längerem suche ich einen Volvo V50 und nun bin ich fündig geworden. Ich fahre ihn einen Tag probe und letzten Endes entscheide ich mich gegen ihn, weil mir die Ausstattung, die Farbe und das merkwürdige Tuning rundum einfach nicht gefällt.

oradour-sur-glane

Die Nazischweine haben 1944 eines ihrer vielen Verbrechen in Oradour-sur-Glane verübt. Nachdem es den Partisanen gelang, ein von den Nazis besetztes Dorf wieder einzunehmen und dabei viele der Deutschen draufgegangen sind, hatten die Nazis natürlich Vergeltungsgelüste.

So kamen sie im Juni 1944 im Dorf Oradour-sur-Glane an, trieben die Bewohner auf dem Marktplatz zusammen, trennten sie nach Geschlechtern und töteten schließlich die Frauen und Kinder in der Kirche in dem diese einfach abgefackelt wurde – wer aus dem Feuer flüchtete wurde erschossen. Die Männer wurden in einer nahegelegenen Scheune liquidiert. So Starben über 600 Bewohner und das gesamte Dorf fiel den brandschatzenden Nazischergen zum Opfer.

Heute steht das Dorf nach wie vor – verlassen, ausgebrannt und dient als Mahnmal. Der Besuch ist kostenlos und wie bei nahezu jedem Mahnmal des zweiten Weltkrieges, täte es unseren europäischen Faschisten guttun, diese auch zu besuchen.

Uns zieht es dann weiter ins nächste Dorf – hier essen wir lecker beim Türken und fahren dann wieder zurück in unser Schloss. Den Tag lassen wir am Pool ausklingen und fahren am Abend erneut ein paar Dörfer weiter um Pizza zu vertilgen.

das nächste paradies

Heute verlassen wir unser kleines Paradies und kleines Stück weiter gen Norden. In Angouleme machen wir einen ausgiebigen Stopp und schlendern hungrig durch die Gassen. Bei einem Inder schließlich werden wir pappsatt und setzen dann unsere kleine Touristentour durch die Stadt fort. Auch hier ist erschreckend wenig los, die Straßen wie leergefegt und auch die Stadt selbst scheint mir an vielen Ecken wie ausgestorben.

Nachdem wir genug von Angouleme haben, zieht es uns weiter auf die Schnellstraße. Es ist nicht mehr weit bis zu unserem nächsten Paradies. In einem winzigen Dorf mitten im Nirgendwo liegt das Château de Nieuil. Ein wunderschönes Schloss, das seit einiger Zeit als Hotel dient. Wir konnten gestern noch ganz spontan eines der letzten Zimmer buchen und nächtigen erneut fernab des Dachzeltes – fürstlich wie wir es verdient haben.

Für heute haben wir nichts mehr geplant, sondern sehen uns nur ausgiebig im Schloss um, schlendern durch den Schlosspark, liebäugeln mit dem Pool und machen eine kleine Wanderung an einen nahegelegenen See. Hier muss es früher einmal viele Ausflügler hinverschlagen haben. Verlassene Imbissbuden und Cafés erzählen von einer besseren Zeit.