chaostage tirol

Heute fahren wir nach Österreich – ist zwar nach wie vor verbunden mit Quarantäne und all so einem Kram – uns aber egal. Immerhin bin ich geimpft, genesen, getestet, gefährlich, geklont und gekocht. Nach einiger Fahrt brettern wir durch den Tunnel nach Österreich und kurz nach der Grenze wird der Verkehr durch eine Kontrolle geleitet. Wundersamerweise gibt es zwei Spuren und mangels Sprachkenntnisse entscheide ich mich für die „Transit Italy“ Spur. Hier wird nicht kontrolliert und ich freue mich darüber, dass wir uns wie gewohnt überall durchmogeln können.

Im Ötztal angekommen gehen wir sogleich zu Familie O., verweilen auf der Terrasse, frühstücken und genehmigen uns die ersten Biere. So vergammeln wir den ganzen Tag, beziehen nachmittags unsere Ferienwohnung und feiern noch eine kleine Party im Hotel um die Ecke. Ziemlich spät wackeln wir in unsere Betten und beginnen den Morgen mit einem Frühstück im Hotel um anschließend zu einer Wanderung aufzubrechen. Bewaffnet mit Wegebier starten wir durch, pausieren am Winkelsee und erklimmen den Berg. Dort wartet eine Hütte auf uns mit Kaltgetränken und reichhaltig Essen. Gestärkt kommen wir am Abend zurück, bestellen Pizza und holen im Supermarkt noch Bier, sodass die Nacht wieder feuchtfröhlich einbricht.

Am Morgen wieder Frühstücksroutine und anschließend fahren wir mit drei Fahrzeugen nach Oetz, um den Piburger See zu umwandern. Auf halber Strecke gibt es ein Restaurant – wieder Kaltgetränke und Essen. Wir sitzen lange zusammen und marschieren dann wieder zurück um uns zu verabschieden. Unsere Lieblingsösterreicher lassen wir hier und fahren wieder gen Heimat. In einem Supermarkt decken wir uns mit Lebensmitteln ein und dann schüttet es wie aus Kübeln. Das Wetter hat so gut gehalten, dass uns das nun so überhaupt nichts ausmacht.

Den Fernpass lassen wir hinter uns und die Einreise nach Deutschland klappt auch problemlos – wie immer wird nicht kontrolliert und uns bleibt irrsinnige Testerei, Quarantäne und anderer Blödsinn erspart. Zuhause angekommen mache ich mich dann direkt wieder auf den Weg zum illegalen Public Viewing des 24h-Rennens mit jeder Menge Haushalte. Das Rennen wird allerdings schon am frühen Abend wegen Nebel unterbrochen und so feiern wir einfach die ganze Nacht durch, bis das Rennen am nächsten Mittag wieder gestartet wird. Irgendwie langweilig – die Party aber war klasse!

weinwandern

Wir sind in der Pfalz und wie das hier so üblich ist, wird es heute sicher Wein geben. Mit Freunden starten wir am Ortsrand von Rhodt, kaufen beim Erstbesten Winzer Wein samt Schoppenglas, latschen durchs wunderhübsche Dorf und haben permanent unser Ziel im Blickfeld.

Auf einem Berg auf rund 500m liegt die rund 800 Jahre alte Burgruine Rietburg – zu erreichen mit den Füßen oder alternativ einem Sessellift. Wir entscheiden uns für ersteres, kämpfen uns durch den Wald und pünktlich bei Ankunft oben ist der erste Liter Wein auch direkt leer. Neben der Ruine gibt es auch ein Ausflugslokal und vorallem einen fantastischen Blick über die Rheinebene und am Horizont den Schwarzwald. Bei bestem Wetter sitzen wir lange, Essen und genießen Kaltgetränke, ehe wir uns mit dem Sessellift hinabfahren lassen.

Nun geht es ein Dorf weiter zu einem Winzer. Weinprobe. Natürlich landet auch ein Dutzend Köstlichkeiten im Warenkorb und mit vollem Kofferraum geht es dann gen Heimat. Ich spiele heute den Beifahrer, trinke noch Beifahrerbier und an der A6 machen wir noch ein Päuschen, um die beeindruckenden Brückenpfeiler der Kochertalbrücke zu begutachten. Sie ist bis heute die höchste Talbrücke Deutschlands und hielt lange den Rekord für die höchsten Brückenpfeiler der Welt.

inselaufkommen

Bei heftigen Regen fahren wir heute nach Lindau an den Bodensee, parken auf dem Festland und treffen uns nun mit Freunden aus Augsburg. Noch ist das Wetter halbwegs durchwachsen, sodass wir uns auf der Maximilianstraße in ein Restaurant setzen, Kaltgetränke schlürfen und den Regen aussitzen. Scheinbar ist die ultrawichtige Insidenz derart niedrig, dass wir uns ganz ohne Coronablödsinn hier aufhalten dürfen.

Nachdem die Sonne zu uns gefunden hat, spazieren wir durch den Stadtkern und sitzen auch schon im nächsten Restaurant um uns die Mägen füllen zu lassen. Im Anschluss schlendern wir durch den Stadtkern und kommen irgendwann am Hafen an. Am Kiosk gibts wieder ein Bier und wir genießen für eine Weile das bunte Treiben der vielen Touristen, schnabulieren Eis und machen uns dann wieder auf den Weg zum nächsten Kiosk. Auch hier werden wir mit Bier versorgt und laufen dann am Bahnhof hinunter von der Insel, um uns vom Schloss Holdereggen beeindrucken zu lassen.

Das Schloss im Neurenaissance-Stil wurde 1890 erbaut, lies einige Besitzerwechsel über sich ergehen, fungierte im ersten Weltkrieg als Lazarett und 1937 sorgte die NSDAP für einen Verkauf an die Stadt Lindau. Seit den 50ern hat die Musikschule der Stadt ihren Sitz in dem Gebäude. Der Park mit zwei Mammutbäumen ist öffentlich zugänglich und unbedingt sehenswert.

Wir haben nun schon wieder Hunger und haben diesmal leider kein Glück. Etwas außerhalb haben die meisten Biergärten geschlossen, der eine der geöffnet hat verlangt einen negativen Test und so landen wir letztlich bei einer Fastfoodkette. Denen scheint unser Geld gut genug.

wandern, what else

Während des Lockdowns gibt es ja nicht allzu viele Möglichkeiten, sofern es nicht weiter weg gehen soll. Man kann ständig bei Kumpels in den Buden abhängen, saufen oder alternativ Wandern gehen. Nur hierbei fehlt ganz klar die Komponente des wo Einkehrens. Trotzdem sitzen wir nun im kleinen Volvo und düsen gen Süden, um nach zwei Stunden Fahrt in Füssen zu parken.

Wir marschieren los am hohen Schloss, durchstreifen die Innenstadt und watscheln am Lech entlang bis zum Lechfall. Der Lechfall ist eine rund zwölf Meter hohes Stauwehr etwas südlich von Füssen und tatsächlich ganz nett anzusehen, jedoch zieht es uns rasch weiter in den Wald. Am Fluss entlang entkommen wir den Menschenmassen, krempeln die Hosenbeine hoch und waten durch den Lech auf eine kleine Insel. Das Wasser ist eisig kalt und bringt bei 30 Grad Außentemperatur den Kreislauf derart in Schwung, dass wir ganz ausversehen die Grenze zu Österreich überschreiten. Zwei Wochen Quarantäneblabla verkürzen wir auf 5 Minuten Aufenthalt im Wald und überqueren dann den Lech, um auf der Nordseite den Mitter- und Obersee zu umrunden.

Zurück in Füssen durchkämmen wir noch einmal die Innenstadt, blicken wehmütig auf geschlossene Restaurants und holen uns noch eine Pizza to go – fressen müssen wir die Dank Bundesdummbremse auf dem Boden, wie das halt inzwischen so üblich ist. Ehe wir nachhause fahren, treffen wir uns noch mit unserem Lieblingspaar aus Augsburg auf ein kühles Radler an der Tankstelle – die waren heute unweit von uns ebenfalls Wandern und ich werde das Gefühl nicht los, dass das heute beim ersten Sommertag jeder tat.