balkanblues

Ich habe zur Zeit wahnsinnig viel Arbeit und entsprechend wenig Zeit für schwachsinnige Reisen. Nichtsdestotrotz soll es heute ein wenig in die Ferne gehen. Der Kadett bekommt ein paar Galllonen Unverbleites und unser Gepäck findet im Inneren platz.
Nachmittags fahren wir schließlich los, pappen vor Salzburg Vignetten in die Frontscheibe und brettern ein paar Stunden später durch den Karawankentunnel. Slowenien durchqueren wir in der dunklen Nacht und weiter geht es nach Kroatien. Die Grenze kostet allerdings Nerven, denn die Kroaten kontrollieren heute, als sei es eine Außengrenze. Immerhin kommen diesmal keine Fragen auf, bezüglich meines gestohlenen Führerscheins.

Jetzt geht es der Küste entlang in den Süden, noch vor Sonnenaufgang packt mich die Müdigkeit und wir dösen ein Stündchen im Auto ehe es weitergeht. Am Morgen reisen wir dann in Bosnien & Herzegowina ein und ich raffe allmählich, dass die Route so garkeinen Sinn macht. Denn eigentlich möchten wir nach Montenegro und die letzten 200km durch Bosnien würden bedeuten, dass wir nur auf miesen Pisten fahren.
Also kehre ich um – an einer anderen Grenzstation geht es wieder nach Kroatien. Der bosnische Grenzbeamte ist etwas verwundert über unseren langen Aufenthalt in seinem Land und der kroatische Zoll zerpflückt das ganze Auto – ein herrlicher Spaß!

Nun fahren wir die etwas klügere Route entlang der Küste, fahren nochmals ein Stück durch Bosnien und landen schließlich in Montenegro – unserem Ziel.

toursitenfalle

Anstatt in Rijeka Futtern zu gehen, fahren wir noch ein Stück weiter der Küste entlang bis nach Opatija. Auf meinen Karten sah das Städtchen ganz süß aus, aber als wir ankommen entpuppt sie sich als waschechte Touristenhölle. Die Straßen sind voller Menschen, alle wurschteln sich entlang der Promenade und plündern die Eisdielen. Fürchterlich anzusehen und auch sonst bietet die Stadt kaum Sehenswertes. Die Küste wird gesäumt von kitschig anmutenden Hotels und wir fühlen uns horrend unwohl.
Zum Glück aber finden wir ein grandiosen Restaurant und schlagen und so richtig die Magen voll um im Anschluss noch ein Eis zu snacken. Dann aber wirklich nichts wie weg hier!

Zurück in Rijeka spazieren wir noch ausgiebig durch den Hafen und verabschieden uns allmählich von der wirklich schönen Stadt, natürlich nicht ohne uns nochmal bei McDonald’s zu stärken!
Am nächsten Morgen dann wollen wir zeitig los und ich verständige unsere Gastgeberin dass wir auschecken wollen. Sie eilt direkt herbei und wir sagen Tschüss. Durch Slowenien, den Karawankentunnel und die Tauernautobahn geht es nach Hause und zu meinem Erstaunen geht es zügig voran. Lediglich an der deutschen Grenze ist mal wieder Chaos. Noch immer wird die gesamte Autobahn zweispurig durch Grenzkontrollposten geschleust und entsprechend lange sind die Staus. Denen Deppen muss bei Gelegenheit dringend jemand vom Schengenabkommen erzählen!

herumwalden

Heute frühstücken wir mit Blick auf das Meer in einem Restaurant und dann geht es etwas ziellos an der Küste entlang gen Norden. An einer Bucht schlendern wir etwas am Meer entlang und genießen das weite Blau, bis es weiter geht. Ein wenig ins Hinterland, sicher schön dort. Zuerst fahren wir nach Klana zum Kastell Gradina. Hier finden wir eine hübsche Burgruine hoch oben auf dem Berg mit Blick auf die Täler. Die Burg wurde im 14. Jahrhundert errichtet und wurde letzten Endes im 19. Jahrhundert bei einem verheerenden Erdbeben zerstört. Die guten Gesteine wurden schnell abgetragen und für neue Bauten verwendet, sodass heute nur noch einige Überreste hier im Walde herumstehen und sich zu Tode langweilen. So vertreiben wir uns hier ein wenig die Zeit, gucken auf die alten Gemäuer und genießen die Sonnenstrahlen, ehe es weiter geht.

Unser nächstes Ziel ist Dražice – in der Hoffnung hier auf Nahrung zu stoßen. Sämtliche Restaurants haben aber geschlossen und wir gucken in die Röhre. Auf einem Berg erspähen wir aber eine weitere Burg und dort oben soll es auch ein Restaurant geben. Also hinauf mit uns.
Angekommen blicken wir auf eine recht hübsche aber auch ziemlich restaurierte Burg, erbaut im 15. Jahrundert und immer wieder erweitert, aus ehemaligen Besitz der Familie Frankopan. Heute ist hier eine Bar untergebracht, zu Essen gibt es natürlich nichts. Bei Bier und einer heißen Schokoladen spielen wir direkt am Kamin ein wenig Karten und begeben uns dann langsam auf den Rückweg, aber natürlich nicht ohne noch einen Stopp zu machen.

Nördlich von Rijeka befindet sich nämlich ein Stausee, welchen die Rječina unaufhörlich speist. Zu sehen gibt es leider nichts, denn das Areal ist weiträumig umzäunt und ich nutze die Gelegenheit eine alte Verbindungsstraße der Landstraße 5017 und 5055 zu erkunden. Durch Erdrutsche ist sie irgendwann unpassierbar geworden und fröhnt heute ihr Dasein als Fußgängerweg, während die alten Leitplanken munter vor sich hinrosten. Schööön.

krk & trsat

Nun schlendern wir noch etwas durch die Stadt Krk auf der gleichnamigen Insel. Vorbei am Kastell von den Frankopanen geht es durch die Altstadt und anschließend etwas an der Promenade entlang, bis sich wie so oft Hunger breit macht. In einem kleinen Restaurant in der Altstadt werden wir ganz herrlich satt und verlassen anschließend die Insel. Zurück auf dem Festland wagen wir noch einen kurzen Blick in eine Burg nahe Kraljevica, schlendern durch einen Campingplatz zu einem winzigen Leuchtturm und machen uns dann schließlich auf den Rückweg nach Rijeka.

Hier habe ich nämlich noch einen Lostplace ausfindig gemacht und täte mich ganz gerne einmal umsehen. Angekommen staune ich nicht schlecht – vor 150 Jahren entstand hier eine der größten Papierfabriken Europas und das Areal ist rießengroß und steht schon seit vielen Jahren leer. In einigen wenigen Gebäuden ist noch Leben und ansonsten haben hier Vandalen und Künstler schon ganze Arbeit geleistet. Auch findet in einem der Gebäude seit vielen Jahren ein Tecnofestival statt.
Wir schlendern ein wenig durch die Hallen, sehen uns um und marschieren auch auf den Berg, von wo man einen tollen Ausblick auf das Areal und die Rječina hat.

Weil die Sonne noch ganz herrlich scheint, geht es für uns direkt weiter auf Trsat – auf dieser Anhöhe liegt östlich der Rječina und von oben kann man die gesamte Bucht Rijekas überblicken. Die Festung darauf hat irgendwie nicht sehr viel Charme, ist sehr touristisch, hält aber immerhin einen grandiosen Ausblick parat. Hier verbringen wir den aufkeimenden Abend, lümmeln im Park herum und nach ein paar Burgern in einer kroatischen Fastfoodkette geht es dann zu Bett.