altstadtgewirr

Nun wollen wir langsam in Richtung Donau vordringen – dazu müssen wir durch die Altstadt und passieren auch das Michaelertor. Das Gebäude ist das einzig erhaltene der mittelalterlichen Stadtbefestigung und dürfte somit auch eines der ältesten Gebäude der Stadt sein. Gefallen tut es mir jedoch nicht sonderbar und in das beherbergte Museum möchte ich auch nicht ansehen. Stattdessen trampeln wir über die Kilometer-Null-Markierung und ich beobachte ein wenig die Touristen. In Reiseführern wird er nämlich als Sehenswürdigkeit angepriesen und alle machen sie ein schnelles Foto, gern auch einen Selfie und sind so schnell weitergerannt, wie sie aufgetaucht sind. Irgendwie absurd. In Zeiten von Instagram und so wohl anders einfach nicht mehr machbar. Reise viel, Reise schnell und verschwende bloß keine Zeit!

Wir hingegen setzen uns in einen urgemütlichen Pub und entspannen lieber. Slowakisches Bier gehört schließlich dazu. Serviert bekomme ich dann aber ein tschechisches Bier. Welch Frevel. So sitzen wir recht lange in dieser verrauchten, dunklen Bar und bekommen allmählich wirklich Hunger. Zu Essen gibt es hier leider nichts und wir stolpern einfach mal weiter. Die gesamte Altstadt scheint aber sehr touristisch. Glaubt also keinesfalls den vielen Bloggern und Reiseführern, die Bratislava selbst heute noch als Geheimtipp feiern, weil dort kaum Touristen seien und die Stadt niemand so recht auf dem Schirm hat. Ist natürlich absoluter Blödsinn und ich bin davon überzeugt, dass die allesamt entweder nie da waren oder abgesehen von ihrem Smartphone-Display nix gesehen haben.

Ehe wir verhungern – wir sind wirklich nah dran – setzen wir uns in das erstbeste Restaurant. Die Speisekarte ist ein Graus, die Preise recht abgehoben und wir bestellen nur ein wenig Beilagen – vorallem weil es außer den Beilagen auch nichts ohne Fleisch gibt.
Schmecken tut es leider überhaupt nicht, der Service ist auch unterirdisch und ich bekomme schon wieder tschechisches Bier. Was soll der Quatsch? Wir müssen unbedingt hier weg! Denn wenn noch eine dieser Junggesellen-Abschiedstruppen vorbeikommt, kriege ich ganz bestimmt einen Schlaganfall.

buntes treiben

Nun stehen wir direkt vor dem Hotel und überlegen kurz was wir denn tun sollen – schließlich gibt es hier viel zu sehen! Wir aber haben Zeit und Lust uns für die lange Fahrt zu belohnen. Also picknicken wir kurzerhand direkt vor den Türen unserer Beherbergung, reichen uns die Vodkaflasche und frühstücken wie echte Gewinnertypen. Bei guter Musik lässt es sich ganz wunderbar aushalten, die Sonne wärmt die Gemüter und einchecken können wir ganz nebenbei auch schon am frühen Morgen.

Das Hotel ist unglaublich bunt und ganz nett anzusehen – für mich aber nicht der Grund gewesen es zu buchen. Die Lage nämlich ist noch viel attraktiver und der Preis erst. Der ist unschlagbar. Der Ottonormal-Hotelgast hätte hier vermutlich Probleme mit der Sauberkeit und anderen Luxusgütern – wir hingegen freuen uns über total lockeres Personal, gute Preise, sowie Bett samt Dusche. Das Haus hat im Laufe der Jahre seinen Glanz längst verloren. Überall bröckelt der Putz, die Farben sind längst verblichen und es scheint ein gewisser Wartungsstau zu herrschen. Ich fühle mich pudelwohl und erfreue mich am Charme dieser alten Bude.

So sitzen wir noch einige Zeit, feiern uns selbst und als die Sonne senkrecht steht machen wir uns langsam auf die Stadt ein wenig zu erkunden. Vorher trinken wir aber noch aus! Das Austrinken wiederholt sich immer wieder, die Musik wird nicht schlechter und wir kommen nur recht zögerlich los.

nächster halt: presslau

Ich lümmle auf meinem Sofa, schaue mir einige Family Guy Folgen an und merke erst reichlich spät, dass es langsam Zeit wäre nach Bratislava zu fahren. Also werfe ich manches Zeug in mein Auto, hüpfe noch fix unter die Dusche und fahre dann zu Frau J. Dort wird erneut gelümmelt. Einfach schön, wenn man keinen Stress hat. Schnell ihre Lebensnotwendigkeiten in den Kadett und schon fahren wir in Richtung Autobahn.

Es ist bereits Mitternacht, unter der Woche und damit die Autobahnen schön leer. Wir kommen wahnsinnig schnell voran, obwohl der Tacho nie über 100 geht und ehe wir uns versehen, überfahren wir schon die Grenze zu Österreich. Müdigkeit kommt wie immer nicht so recht auf, bei Frau J. fließt sogar etwas Schnaps und bei guter Musik brettern wir in Richtung Wien.

Kurz vor der Slowakei verlassen wir die Autobahn. Früher konnte man sich einfach eine Vignette kaufen, die Slowaken aber haben nun umgestellt und das ganze Mautsystem funktioniert elektronisch, online und findet bei mir nur wenig Anklang. Abgesehen davon wäre es auch die reinste Geldverbrennung, für die kurze Strecke eine Gebühr zu entrichten. Kurz vor der Grenze decken wir uns im Supermarkt noch fix mit Lebensmitteln ein und fahren dann ganz zielstrebig zu unserem Hotel, direkt am Stadtrand von Bratislava.