jugendstilfetisch

Inzwischen bin ich in Darmstadt und möchte mich einmal umsehen – ich glaube in der Stadt selbst war ich noch gar nie und zu sehen gibt es bestimmt genügend. Mein erster Anlaufpunkt ist wie so oft ein Friedhof. Auf dem alten Friedhof in Darmstadt nämlich soll es einige historische Grabmäler geben. Die gibt es tatsächlich auch, denn 1828 wurde der Friedhof errichtet und zuletzt 1894 erweitert. Rund 60 historische Grabmäler lassen sich heute noch finden, sie stehen unter Denkmalschutz und wurden wie ich finde weniger schön in den „neuen“ Friedhof eingebracht. Da habe ich schon weitaus schönere Friedhöfe besucht, die im Laufe der Zeit auch tatsächlich unangetastet blieben. Für einen Spaziergang taugt es hier aber allemal ganz gut.

Weiter geht es für mich zur Mathildenhöhe, sie ist mit 180m über Normalnull die höchste Erhebung der Innenstadt Darmstadts und wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Hochzeitsturm, einem Ausstellungsgebäude, der russischen Kapelle sowie diversen Jugendstilvillen bestückt. Wer so richtig Bock auf Jugendstil hat, kommt hier oben voll auf seine Kosten. Rund um das Areal stehen einige Privathäuser, allesamt in gutem Zustand und ebenfalls im 19. Jahrhundert erbaut. Im Moment wird das Ausstellungsgebäude noch bis 2019 restauriert, dies soll die Bewerbung Unesco-Welterbestätte unterstützen. Auch der 1833 entstandene Platanenhain ist noch heute erhalten und es lässt sich hier ganz wunderbar Flanieren.

Und wenn ich schon hier bin, gehe ich noch fix zur Waldspirale. Das Gebäude wurde von Hundertwasser kurz vor seinem Tode gestaltet, vom Architekten Heinz M. Springmann geplant und ausgeführt. Über 100 Wohnungen findet in dem u-förmigen Bau platz und äußerlich gibt es wie immer keine Ecken und keine Struktur. Keines der Fenster soll einem anderen gleichen – ich habe es nicht überprüft – und auch im Inneren wurde man in einigen Wohnungen Hundertwassers Credo „gegen die gerade Linie und den rechten Winkel“ gerecht. Aus Kostengründen jedoch nicht in allen, irgendwie schade.

häuschengucken

In Rijeka geht es für uns zuerst zum Zamet Center. Hier sind auf einer Gesamtfläche von rund 17.000 m2 eine Sporthalle, Büros und diverse Geschäfte untergebracht. Den Bau in das recht urbane Gefüge zu integrieren ist auch gelungen, die hinterlüftete Fassade ist von einem Gestein inspiriert, das typisch für die Region ist und der gesamte Bau ist rundum gefliest. Ist wunderschön anzusehen und leicht zu reinigen aber bei Nässe irgendwie ziemlich rutschig. Ist nun, vermutlich selbst für totale Architekturfreaks, nicht unbedingt eine Reise wert, aber wenn man schon mal hier ist lohnt ein kurzer Stopp.

Interessanter wird es dann unten an der Küste – dort wurde nämlich 1866 der erste Torpedo der Firma Luppis-Whitehead entwickelt und getestet. Die ursprüngliche Teststation steht zwar nicht mehr, aber eine neuere welche bis 1966 in Betrieb war. Vorbild für Torpedotstationen weltweit, man findet noch heute viele rund um den Globus und kann ihren Verfall beobachten. Mehr als 25.000 wurden hier gebaut bis die Produktion und auch die Tests schließlich eingestellt wurden. Seither steht die Abschussstation ungenutzt herum, gammelt vor sich hin und guckt ganz müde auf die Adria. Inzwischen ist die Anlage Kulturdenkmal und anscheinend gibt es Bemühungen das Areal zu restaurieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, denn aktuell ist es eingezäunt und ich wage mich auch nicht so recht einen Fuß darauf zu setzen. Wirkt alles ein wenig zerbombt, halb eingestürzt und wenig intakt.

fast olympisch

Angetrunken und gut gelaunt marschieren wir völlig planlos in Richtung Altstadt, biegen dann aber ab und driften langsam westwärts auf den Berg, wo seit fast 60 Jahren den Opfern des Krieges gedenkt wird. Unterwegs meistern wird abertausende Treppen, kommen an vielen leerstehenden Villen vorbei und ich erfreue mich an der Sowjetarchitektur. Warum beinahe überall in Bratislava so vieles leersteht kann ich mir nicht so recht erklären, mein Herz für Lost Places aber schlägt Purzelbäume. Die Häuser sind aber allesamt gut gesichert und ich habe trotz ein wenig Blutalkoholkonzentration keine Lust die slowakische Exekutive kennenzulernen.

Oben am Slavin angekommen betrachten wir das Denkmal und genießen vorallem die tolle Aussicht auf die Stadt. Der Jahrestag der Befreiung der Stadt ist schon über einen Monat her und dennoch finden wir sehr viele Blumen & Kränze. Das ist mir schon überall im Osten aufgefallen, hier wird dem Krieg seitens der Bevölkerung viel mehr gedenkt als man es von anderswo gewohnt ist.

Nun geht es wieder hinunter, natürlich auf anderem Wege und ich genieße die unglaubliche Ruhe. Touristen scheinen wohl keine zum Slavin zu kommen und auch sonst sind die Wege etwas außerhalb wie leergefegt. Aber das wird sich sicher ändern, wenn wir erst die Innenstadt aufsuchen.

porschemuseum

Heute geht es mal wieder nach Stuttgart – nachdem 2009 das neue Porsche Museum eröffnet hat, war es endlich an der Zeit dieses einmal zu besichtigen. Wer schon im alten Museum war, weiss was ich meine wenn ich sage – ööööhm, ein Witz. Was nun aber Porsche in Zusammenarbeit mit dem Architektenbüro Delugan Meissl auf die Beine gestellt hat, ist unbedingt sehenswert. Der recht sterile und 100 Millionen Euro teure Bau beherbergt rund 80 Fahrzeuge und ermöglicht einen umfassenden Blick in die Geschichte des Sportwagenherstellers.

Porsche oder generell Sportwagen aller Gattungen sind nun eher nicht mein Interessensgebiet, aber Automuseum bleibt Automuseum und ich sollte es zumindest einmal gesehen haben – zumal die architektonische Größe allein ein Besuch wert ist.

Schon nach kürzester Zeit verliere ich wie gewohnt Frau D. und begebe mich auf die Spuren von Ferdinand Porsche.

Neben vielen Serienfahrzeugen, Oldtimern und Rennboliden stehen auch einige mir bekannte und interessante Fahrzeuge im Museum. Zum Beispiel der Porsche 924 Turbo mit dem Gerhard Plattner 1986 in nur 4 Wochen die Welt umrundete. Dabei kamen auf 5 Kontinenten 41.140km zusammen und das Auto hielt – trotz bleifreien Benzins und wenig Ausrüstung. Mit Reisen hat das nun garnichts zu tun und über das Budget dieser Rekordfahrt brauchen wir uns nicht unterhalten – dennoch faszinierend und es erwies dass bleifreies Benzin nicht schadet und nebenbei konnte man die neue Katalysatorentechnik erproben.

Aktuell gibt es eine Sonderausstellung zum 30 Jährigem des Porsche 959 – einer meiner Lieblinge aus Zuffenhausen.