es riecht nach schlaf

Nach rund einer Stunde Fahrt kommen wir in Martil an. Am Eingang stehen bereits die Lieben mit ihrem Landrover und glaubten uns bereits vermisst. Schnell ist die Behausung aufgebaut und im – unter schwersten Bedingungen – gereinigten Kochtopf köcheln Nudeln vor sich hin.

Pünktlich zum Essen ruft auch schon der Muezzin – ich lächle ganz froh und freue mich nach so langer Zeit wieder genau das zu hören. Am Tisch verkünde ich dass wir allesamt auch genau so geweckt werden und ich blicke in entsetzte Gesichter.
Herr P. gibt noch ein leckeres Bier aus und dann verschwinden wir schon früh in den Dachzelten. Schließlich haben wir alle einen wirklich langen Tag hinter uns.

idiotie in dalia

Raus aus dem Hafen fahre ich die N16 entlang. Tankstelle ist keine in Sicht & ich fange allmählich an zu Schwitzen. Berg um Berg wird erklommen, die Tanknadel zeigt längst nichts mehr an und als ich irgendwann doch eine Tankstelle entdecke, bin ich mehr als froh. Aus meinem Schmugglerfach krame ich einige Dirham und bezahle die Tankfüllung, fahre weiter und möchte weiteres Geld abheben. An einem Automaten dann das Unheil. Ich finde mein Portmonaie nicht. Also zurück zur Tankstelle – dort hatte ich es noch, weil ich gern mit der Visa bezahlt hätte.

Der Chef der Tankstelle ist sofort zur Stelle und macht einen ernsthaft besorgten Ausdruck, während ich befürchte dass ich wie so oft das Geldsäckerl aufs Auto gelegt habe und dann einfach davonfuhr. Tatsächlich passiert ist mir das in der Vergangenheit schon dreimal. Verblödung beherrsch ich ganz gut.
Gemeinsam gehen wir die Aufnahmen der Videoüberwachung durch & ich bekomme nebenbei einen Einblick in die Hinterzimmer des Hauses. Auf dem Bildmaterial ist zu sehen dass ich meinen Geldbeutel wieder mitnehme und dann mein Geheimfach aufsuche. Nochmal nachgesehen und das Auto durchkämmt – nö, da is nix. Faxgerät!

Wie ich gerade die Nummer der Sperrhotline für die Karten wähle, blitzt urplötzlich mein Portmonaie aus einem anderen Fach heraus, wo ich mir sicher war bereits nachgesehen zu haben. Wenn ich nicht so erschöpft und übermüdet wäre, tät ich mir direkt eine über die Rübe ziehen. Erleichtert geht es weiter nach Martil, ich brauche endlich Schlaf & etwas zu essen.

schiffchen fahren

Rechtzeitig kommen wir am Hafen an und reihen uns ein – nun heißt es warten. Wegen des Sturmes ist Tarifa gesperrt und entsprechend voll ist es hier.
Auf der Fähre lernen wir Herrn P. samt seiner besseren Hälfte kennen. Die beiden wollen auch etwas Zeit in Marokko vergehen lassen und so stehen wir erst einmal an um unsere Pässe stempeln zu lassen, die Schlange ist lang.

Danach gehen wir auf der sturmgeschützten Seite an Deck und beobachten das Treiben auf dem Meer. Das Schiff schauckelt recht ordentlich und ich wäre so froh über eine Mahlzeit. Der Salon ist aber hoffnungslos überfüllt und ich hoffe derweil auf eine zügige Einreise.

In Tanger Med dauert es natürlich einige Zeit bis sich das heillose Chaos lichtet und wir rausfahren können. Mit Herrn P. verabreden wir uns auf einem Campingplatz bei Martil – weiter fahren möchte keiner von uns und das Einreisen macht uns da ohnehin einen Strich durch die Rechnung. Dadurch, dass Tarifa geschlossen ist, ist hier die Hölle los. Das ganze – eigentlich simpel geregelte – Prozedure dauert drei Stunden. Und dabei wurde nicht mal in die Autos geguckt – nichts. Abfertigung wie am Fließband und schlussendlich drin in Marokko!

am horizont rechts

Einmal quer durch Spanien – da kommt richtig Freude auf. Das Wetter nämlich ist ganz wunderbar und der Norden weiss landschaftlich zu begeistern.
So geht das den ganzen Tag und irgendwie auch die ganze Nacht, nur sieht man nix mehr. Manchmal schließe ich meine Augen auf einem Rasthof und powernappe dann für kurze Zeit, sodass es im Morgengrauen nur noch 300km bis Algeciras sind.

Auf den letzten Kilometern stürmt es ganz furchtbar – der kleine, windschnittige Kadett wird ordentlich durchgeschüttelt.
In Algeciras dann verfahre ich mich auf die Schnelle und stehe dann vor Carlos‘ Büro.
Wegen des Sturmes fährt heute nur noch eine Fähre, allerdings in einer Stunde. Wir sollten dann also direkt los, meint er. Ehe ich überlege, ob ich mir das auch noch antun möchte, nehme ich das Angebot an.

So geht es von Algeciras nach Tanger MED & Retour nach Tarifa (open return). 1 Opel Kadett + 2 Menschenwesen kosten dann 200,-€ & bei Carlos bekommt man direkt das Fahrzezg für Marokko registriert (D16TER) und die Zettelchen für die Einreise. Als sei das nicht genug, bekommen wir noch Wein sowie Kuchen.
Nun aber schnell zum Fährhafen, wenn sie nämlich pünktlich ist, wird es knapp!