messewahnsinn

Ich hole Herrn R. ab um dann gemeinsam mit ihm Herrn M. samt seiner sehr viel besseren Hälfte einzusammeln. Über die Autobahnen geht es nach Stuttgart auf die Retro Classics – inzwischen Europas größte Oldtimermesse. Schon beim Parkplatzstau graust es mir und ich werde nicht enttäuscht. Das Messegelände platzt aus allen Nähten. Als die Retro Classics vor vielen Jahren zum ersten mal stattfand, war das noch alles ganz gemütlich und überschaubar.

Nun quälen wir uns durch die überfüllten und ohnehin viel zu engen Gässchen. Wer nun denkt dass zwischen diesen Gassen alte Autos stehen, hat weit gefehlt! Mir kommt es so vor dass nur noch Aussteller und Firmen vor Ort sind, die nur mit viel Fantasie artverwandt mit der Oldtimerscene sind. Über allmöglichen Firlefanz kann man sich informieren und im Idealfall kauft man natürlich ganz viel. Besonders faszinierend finde ich den Stand „Reisen mit dem Oldtimer“ – hier kann man Pauschalreisen buchen mit der Empfehlung „Eigenanreise mit seinem Oldtimer“.
Meine Blicke jedoch huschen in der Regel von Auto zu Auto. Das ist dieses Jahr leider auch wenig spannend. Es sind wie immer dieselben hochkarätigen Oldtimer ausgestellt, langweilig.

Noch viel schlimmer aber finde ich, dass gefühlt 50% aller Fahrzeuge 10-15 Jahre alt sind und stets derselben Baureihe entstammen. Vonwegen Oldtimer und vonwegen Vielfalt. Eben weil ich so gerne meckere, möchte ich direkt ein Feedback über das Essen miteinfließen lassen. Das war nämlich an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Schlechtes Essen für wahnwitzige Preise. Für mich somit, nun aber wirklich, der letzte Besuch auf „Europas größter Oldtimermesse“. Meine Freikarten landen in Zukunft besser im Altpapier.

retro classics

Die Palmbrezel lassen wir heute links liegen und fahren bewaffnet mit meinem Kadett Cabrio und einem VW T3 nach Stuttgart zu Europas größter Oldtimermesse.

2009 war ich zuletzt auf der Messe, damals noch in den Kinderschuhen und viel sympathischer, glänzt sie heute nur noch durch Yuppiekisten und dazugehöriger Spekulanten. Es mag sicher den Geschmack vieler treffen, aber mir persönlich kommt irgendwann nur noch Galle wenn ich an jedem Stand mindestens einen Sambabus und einen 300SL Gullwing sehe.

Streng genommen könnte man das „Oldtimer“ durch „Mercedes/Porsche“ ersetzen – würde keiner merken! Für den Ottonormal Young- & Oldtimerfan ist die Messe doch recht schwer verdaulich, abgesehen von überrestaurierten Prachtexemplaren jenseits des Erschwinglichem ist da leider nicht allzu viel.

Trotzdem ist ein Besuch natürlich keine Zeitverschwendung, wenn man sich der wenigen interessanten Fahrzeuge widmet.

Perfektes Beispiel hierfür ist dieser Ur-Kadett mit Wehrmachtshistorie. Eine Vollrestauration blieb ihm erspart, TÜV und Zulassung sind vorhanden und die Historie äußerst interessant – und all das muss nicht zwangsläufig 500.000€ kosten. Er bekam von der Jury einen Sonderpokal verliehen – vermutlich aus oben genannten Gründen.

Sonst hat sich leider wenig getan – es sind immer dieselben Autos mit immer denselben Mondpreisen. Am interessantesten, wie so oft, fand ich den Besucherparkplatz.

Auf dem Heimweg kehren wir noch in Lauterstein im „Ställe Motorradtreffpunkt“ ein – nix los bei dem widerlichem Wetter & das Essen ausgesprochen gut&günstig.