A7 oder A96

Um 09.00 schrecken meine Augen auf, um mich herum wird kräftig geschnarcht und ich bin mir ganz sicher, diese irrsinnige Tour heute einfach abzubrechen. Mit letzter Kraft hieve ich mich aus dem Bett, lass eine Stange Wasser ab und packe mein Hab zusammen. Herr B. wirkt auch völlig zertrümmert und wir fallen in den Kadett. Ab an den Bodensee! Problemlos geht es aus München raus und ab auf die A96. Bei Memmingen bin ich wirklich hin- und hergerissen. Bis Heidenheim wäre es nicht mehr weit, ich vermisse mein Bett wirklich. Naja, sei es drum. In Lindau fahren wir direkt die Jugendherberge an. Im Internet beworben als Youth Hostel, kein Wort der DHJ und natürlich bin ich kein verdammtes Mitglied. Die Dame an der Rezeption, auf die wir immerhin nur eine Stunde gewartet haben, verkauft uns dann ganz selbstlos eine Eintagesmitgliedschaft. Nun ist mir auch klar warum die Jugendherbergen aussterben und warum ich nie in einer war. Was für ein Mist. Im Endeffekt ist unsere Nacht in einer Jugendherberge die mit Abstand teuerste.

Während dem Duschen stell ich mir noch eben ein Biermischgetränk ins Gesicht und bin urplötzlich wieder frohen Mutes, habe Bock auf Liedfett und so richtig Lust auf einen ausgeprägten Parkplatzrave. Also fahren wir an den Club Vaudeville zu den Whatabüssern, mixen einige Kaltgetränke und bügeln einfach mal ordentlich rein. Gegen später gönnen wir uns noch einen Besuch beim Italiener ums Eck, ich snacke Pizza mit Wein und mache ganz große Augen bezüglich des herrlichen Geschmackes. Zurück vorm Club besucht uns dann noch Son of Polvo, bringt ganz wohl erzogen Bier mit und wir glühen noch etwas vor, ehe er dringend auf die Bühne sollte. Natürlich gehen wir direkt nach, denn seinen Gig zu verpassen kommt überhaupt nicht in Frage. Im Anschluss mal wieder Liedfett – die Eskalation ist ziemlich angenehm weil das Konzert nicht sonderbar gut besucht ist, im Club ist reichlich Platz und ich frage mich auch hier, welcher Hornochse dafür verantwortlich ist, dass kurz nach der Bühne der Teppichboden in einen aalglatten Fließenboden übergeht. Im Moshpit natürlich tierisch deplatziert, manch einer fällt häufig zu Boden, Todesopfer gibt es aber keine zu beklagen.

Nach dem Konzert stehen wir wieder eine Weile beisammen, befeuchten unsere Kehlen und hohlen noch einmal tief Luft, bevor es morgen an das Finale geht. Herr M. fährt uns dann noch eben in unsere Herberge, mit letzter Kraft schleppe ich mich unter die Dusche und Herr B. macht sich derweil auf den Weg uns etwas Pizza oder Döner zu besorgen. Ob das eine gute Idee ist, sei einfach mal dahin gestellt, ich jedoch bin froh über etwas Ruhe. Knapp zwei Stunden später kommt er auch, mit zwei völlig durchweichten Pizzen. Nunja, in der Not frisst der Teufel Fliegen.

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Wieder geht es zu Fuß quer durch die Hauptstadt und wir merken plötzlich, dass wir ja überhaupt keine vermeintlichen Sehenswürdigkeiten mehr abgrasen müssen. Wozu denn auch? Meist ist es ohnehin nur halb so schön als man sich das vorgestellt hat und vorallem haben wir jetzt Lust auf ein Sonnenbad. So marschieren wir noch am Gebäude des slowakischen Rundfunks entlang, staunen auf den typisch kommunistischen Protzbau in Form einer kopfstehenden Pyramide und lassen uns dann in einem nahegelegenen Park nieder.

Hierher verirrt sich sicher kein Tourist. Die riesige Parkanlage war vor einigen Jahrzehnten sicher ganz arg schön – heute wirft der Wind im Minutentakt leere Bierflaschen um, man findet kaum ein Plätzchen ohne Graffiti und auch sonst ist alles recht siffig und vergessen. Mir gefällt es natürlich und ich erspähe auch sofort eine Bar. Dort sitzen wir einige Stunden, trinken Cocktails, Whiskey, Vodka und probieren uns durch die vielfältige Karte, bis es langsam Zeit wird zu gehen. Einen ausgeprägten Hunger darf man nunmal nicht warten lassen.

In der Nähe entdecke ich einen Italiener, freue mich auf Pizza und ehe wir uns versehen, wird das Essen auch schon serviert. Geschmacklich ist sie irgendwo zwischen ‚merkwürdig‘ und ’sehr gut‘ einzuordnen – mag wahrscheinlich aber auch daran liegen, dass sich auf meiner Pizza unter anderem Kartoffeln befinden. Nun wird es Zeit wieder das Hotel aufzusuchen – wir legen etwas die Füße hoch, trinken einen Flasche Wein und bereiten uns dann für das heutige Abendprogramm vor.

im heimathafen

In der Heimat wird es uns im Moment so überhaupt nicht langweilig. Neben der Arbeit – ich habe se fast vermisst – steht so manche Feier an sodass es in mancher Nacht doch recht spät wird. Soll aber nicht heißen dass ich untätig wäre! Das Jahr ist schließlich noch lang und wir machen uns so manche Gedanken, wo es doch noch hingehen sollte. In Kürze stehen sämtliche Treffen, Festivals und Konzerte an. Die Zeit dazwischen möchte ich sinnvoll nutzen und habe mich daran gemacht eine Tour durch Deutschland zu planen und auch ein Trip in die Slowakei soll noch drin sein.

Bevor wir nach Bratislava aufbrechen halte ich einen Blick unter den Kadetten für recht sinnvoll. Auf der Hebebühne angekommen mache ich mich direkt daran das Öl sowie den Filter zu wechseln und werfe bei der Gelegenheit direkt die neuen Sommerreifen auf das Auto. Mit den jetzigen Rädern ist er auch wieder deutlich höher – in Marokko hätten die sich aufjedenfall besser gemacht. Ansonsten fällt mir nix auf, scheint alles okay zu sein und ich fahre wieder davon.

In ein paar Tagen fahre ich dann mit Frau J. nach Bratislava. Da gibt es sicher einiges für uns zu sehen und nach unserer Europatour 2014 ein absolutes Muss. Damals hatten wir, keine Ahnung wieso, Bratislava nur durchfahren und uns dann Wien angesehen.

schweres schuften

Nun fahre ich zu Herrn O. und montiere schonmal meine neueste Errungenschaft. Ein herrlich altes und patiniertes Pegasus-Damenrad. Kurzerhand auf den Fahrradträger montiert macht es bereits eine tolle Figur. Nun muss es nur noch durchrepariert werden. Das aber lasse ich demnächst in einer Werkstatt machen.

Nun sammeln wir noch leere Weinflaschen zusammen und werfen sie sanft in den Kadett. Unser Winzer des Vertrauens freut sich sichtlich darüber, dass auch mal Leergut zurückkommt und wir laden direkt noch zwei Kisten Wein ein. Nicht dass wir auf dem Trockenen sitzen…

Während wir noch mit dem Winzer quatschen ist Herr M. aus Heilbronn angereist. Ihm habe ich auch noch etwas zu übergeben und der geeignete Zeitpunkt ist nunmal heute. Denn bei einem Glas Wein und herbestellter Pizza lässt sich einfach alles vernünftig abwickeln. So sitzen wir noch einige Zeit beisammen, essen prächtig und gehen sogar zeitig zu Bett. Wie ich mich kenne, steht mir morgen wieder ein langer Tag bevor.