kilometerkönig

Nun wird’s stressig – denn wir lösen unser Ferienloft in Berlin auf und wenn das schon erledigt wird, wird das Ferienhaus in der Pfalz ebenfalls abgestoßen. Fix den Dieselrüssel in den Kastenwagen gesteckt und nun warte ich auf Frau J. Die Zeit nutze ich sinnvoll und spaziere ein wenig durch das Dorf wo ich aufgewachsen bin, besuche Verstorbene auf dem Friedhof und lümmle noch ein wenig in der Sonne herum. Jetzt geht es aber los, sonst kommen wir ja nie an. Die 600km bis Berlin schaffen wir in halbwegs annehmbarer Zeit und kommen am späten Nachmittag an, wo wir dann direkt loslegen ein paar Möbel über Kleinanzeigen zu verhökern und den Bus vollzuladen. Wir essen noch einen Döner und am späten Abend findet in der Dunkelheit noch eben die Schlüsselübergabe statt. Die haben wir kurzerhand vorverlegt, denn niemand hat die Absicht eine sinnlose Nacht im schmutzigen Berlin zu verbringen. Schlaf brauche ich nicht wirklich und im Tank befindet sich schließlich etwas Diesel. Nix wie weg hier!

Nächster Halt ist planmäßig Landau in der Pfalz. Die komplette Nacht fahre ich durch und brauche dann in den Morgenstunden ein halbes Stündchen Schlaf, ehe wir die restlichen Kilometer herunterspulen. Der Bus füllt sich zunehmend und Frau E. ist so lieb uns nebenbei grandios zu bekochen. Das Ferienhaus leert sich, vieles können wir verschenken und verkaufen und nach einer erholsamen Nacht fahren wir zurück nach Hause. Der Bus ist ordentlich vollgeladen und in einem Möbelgeschäft an der Autobahn füllen wir noch die letzten Zwischenräume.
Nun wird ausgeladen, verräumt, verkauft, verschenkt und meine Habseligkeiten sind nun so langsam auf einem recht minimalistischen Stand. Gefällt mir.

Nach den langen Tagen, den langen Nächten und den vielen Kilometern ist uns jetzt nach Erholung – diese soll es auch geben, aber nun wird zuerst geschlafen.

helfersyndrom

Frau B. zieht heute um und spätestens mit der Patenschaft des Nachwuchses habe ich mich verpflichtet behilflich zu sein. Also sattle ich heute schon den Kastenwagen und wir beladen ihn direkt. Bis unter’s Dach natürlich, denn zweimal Fahren ist wegen der Entfernung nicht wirklich gewollt. Das klappt soweit ganz wunderbar und ich gönne mir noch eine Mütze Schlaf ehe es losgeht.

Am Morgen hole ich Herrn E. ab und gemeinsam düsen wir in die Rhön – die neue Heimat von Frau B. Der Bus läuft sagenhaft schnell, verbraucht dabei horrend viel Diesel und wir kommen zügig an, laden schnell alles aus und ehe das nächste vollgepackte Fahrzeug anreist, gehen wir Essen.
Ein paar Dörfer weiter ist an einer Gaststätte eine Hocketse. Mit viel Essen, reichlich Bier und Blasmusik. Meine Gemüselasagne ist sogar mit Speck gefüllt – das ist Bayern wie man es kennt. Den puhle ich raus und genieße die ansonsten wirklich gute Lasagne.
Dann kommt auch schon Frau K. mit einem vollen VW Bus – den laden wir geschwind aus und bauen ein paar Möbel auf, bevor wir uns wieder vom Acker machen. So schnell wie wir gekommen sind, so schnell fahren wir auch wieder zurück. Der Bus quittiert das mit rund 13l Dieselverbrauch auf 100km und ich staune nicht schlecht an der Zapfsäule.
Zu Hause wartet bereits Herr M. und wir sind uns schnell einig, dass uns der Hunger antreibt. Also gehen wir in den nächstbesten Biergarten und schlemmen noch ein wenig, ehe ich recht schläfrig zu Bett falle.

ein neuer tag in leipzig

Heute werde ich schon beängstigend früh wach. Die Nacht im Bus war okay, ich habe durchaus schon schlechter geschlafen. Das Kadettbett ersetzt er aber wahrlich schlecht. Ich linse fix in die Wohnung hinein und merke schnell, da schläft noch alles! Also packe ich meine Reisetasche, werfe Duschutensilien hinein und laufe mal drauflos.

Nach rund drei unspektakulären Kilometern erreiche ich mein Ziel – ein Sportbad. Den lächerlich günstigen Eintritt zahle ich gern, schwimme tatsächlich dann auch volle drei Runden durchs Becken und kümmere mich dann um diversen Hygienekram. Ich hätte gern noch ein paar Must-Sees angesteuert, die sind mir jetzt aber zu weit weg. Möglicherweise sind ja schon alle wach und wir können noch etwas in der Wohnung arbeiten.

Also laufe ich durch den Nord-Westen Leipzigs zurück, starre auf viele sanierte Häuser die ganz unvorteilhaft neben leerstehenden Baufälligkeiten stehen. Eine der Eigenheiten die ich in vielen Teilen des Ostens so mag. Zurück an der Wohnung stehen alle gerade so auf, duschen und fangen an zu frühstücken. Ich schlage mir auch den Magen voll und den restlichen Mittag gibt es garnicht mehr so viel zu tun. Immer wieder hier und da eine Kleinigkeit, das muss verräumt werden und hier könnte man noch etwas aufbauen. Die Zeit vergeht fix und ich finde sogar noch Platz für einen Mittagschlaf. Gegen Nachmittag trudelt dann Frau T. ein und bringt nochmal eine PKW-Ladung voll Zeugs.

willkommen in saxxen!

Nach unzähligen Autobahnkilometern erreiche auch ich die ehemalige innerdeutsche Grenze und nun ist es nicht mehr so weit bis Leipzig. Die ersten unseres Konvois sind inzwischen angekommen und ich schaffe es auch weiterhin mir alle Zeit der Welt zu lassen.

Irgendwann komme ich an und da stehen schon sämtliche Umzugshelfer parat und keiner tut was. Perfektes Timing, sie sind gerade mit der Schlüsselübergabe durch und so wäre ich ohnehin nur dumm rumgestanden, hätte Unfug getrieben oder wäre anderweitig verschollen. So parkiere ich den Bus direkt vorm Haus und wir machen uns daran fix die wirklich sehr schöne Wohnung anzugucken und räumen dann auch schon ein.

Genügend Leute sind wir, so muss sich keiner allzusehr abarbeiten und es geht auch recht fix. Mit Herrn R. fahre ich noch Einkaufen, schließlich wird die Meute morgen hungrig sein und ein wenig Alkohol für eine Feier schadet sicher auch nicht. So düsen wir durch die Innenstadt und mir kommt alles so vertraut vor, als wäre ich erst kürzlichst hier gewesen. Das war ich auch. Nur hatte ich vor zwei Jahren überhaupt keine Zeit mir Leipzig anzusehen, hoffentlich wird es heuer besser.

Sämtliche Umzugshelfer gehen zu später Stund‘ noch in die Innenstadt ein wenig feiern und ich entschließe zusammen mit den Umgezogenen hier zu bleiben. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, hören großartige Musik, trinken manchen Schluck Flüssiggold und als die Feiermeute dann zurückkommt, verkrieche ich mich in den Bus. Dort ist es heute Nacht mit Sicherheit ruhiger und bequemer als in der Wohnung.