stille & stelen

Nach etwas Bolognese fahre ich Frau M. zurück zur Arbeit und steuere dann den kommunalen Friedhof in Landau an. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich hier eine Menge spätklassizistische Stelen finden lassen. 1845 wurde hier ein jüdischer Friedhof angelegt und bis 1990 belegt. Seit einiger Zeit ist er Kulturdenkmal und wird so belassen wie er ist. Rund 1000 Gräber finden sich hier, umsäumt von den Erweiterungen des „normalen“ Friedhofes.

Das mag vielleicht etwas eigenartig klingen, aber es gibt vermutlich kaum Faszinierenderes als verlassene Friedhöfe. So verbringe ich eine ganze Weile hier, schlendere durch das Gestrüpp und erforsche die zahlreichen Inschriften.

Anschließend – genug der Ruhe – flaniere ich ein wenig auf einer Parkbank und habe auch schon eine Idee, was ich denn noch tun könnte. Also ab zum Kadett & weiter geht’s.

bilkyrkogården – lost place mal anders

Nun sind wir in der Nähe von Ryd. Direkt an der Straße 119 befindet sich ein Moorgebiet in welchem seit Jahrezehnten Autos vor sich hinrotten. In den Neunziger Jahren kam der Besitzer der Altwagen ins Altersheim und verstarb einige Zeit später, woraufhin eine Diskussion entstand, was denn mit den Autofriedhöfen – davon gibt es zahlreiche in Schweden – passieren soll. Man entschied sich nach langer Zeit glücklicherweise gegen eine Räumung und so ziehen diese wundervollen Orte bis heute zahlreiche Irre, wie wir es sind, an.

Es gibt zwei Geschichten – zum einen die, dass der Besitzer des Grundstückes schlicht und ergreifend ein Faible für Oldtimer hatte und diese sammelte und zum zweiten die, dass er wohl auch einer der vielen Ersatzteilschmuggler nach Norwegen war, was ich mir persönlich aufgrund der Entfernung eher nicht vorstellen kann. Wie auch immer – heute stehen rund um seine Schrauberkluft hunderte Oldtimer aller Art und gammeln vor sich hin.

Leider blieben im Laufe der Zeit – ich habe schon viele Bilder gesehen – die Wracks nicht unangetastet. Alles, das noch irgendeinen Wert hat wurde gestohlen, ganze Fahrzeuge zerflext und einfach mitgenommen. Sehr schade drum, aber einen solchen Ort kann man halt leider nicht vor Arschlöchern schützen. Empörung macht sich auch bei mir breit, als ich sehe dass die Scheune eingestürzt ist. Davor wurde ein Baum gefällt und er fiel direkt auf die Scheune, davon wird in wenigen Jahren leider auch nichts mehr zu sehen sein.

Trotzdem macht sich natürlich absolute Begeisterung breit, wenn man so durch die Reihen schlendert, Autos identifiziert und sich vom Rost hinreißen lässt. Ich könnte tagelang hier verbringen und spüre auch kaum die eisige Kälte, die sich in meinem ganzen Körper ausbreitet.

ruinen ruinen ruinen

Nun fahre ich in Richtung Autobahn und finde unterwegs natürlich nichts zu Essen. Dann bleibt der Hunger eben. Ein paar Kilometer schaffe ich auf der A4 ehe mir eine ganz nette Burg am Horizont auffällt. Schnell verlasse ich die Bahn und steuere grob die Richtung des Berges an. Dummerweise fließt hier aber die Werra und ich komm nicht herüber… so zieht sich das alles ein ganz schönes Stückchen, bis ich schließlich tatsächlich ankomme.

Unten im Tal ist auch ein Schild – gespickt mit Informationen und Öffnungszeiten. Ab Oktober geschlossen steht da. Hä? Ich fahr einfach mal hoch anstatt zu laufen und falls mich jemand fragen sollte versichere ich glaubwürdig, dass ich zum Burgpersonal gehöre. Denen ist die Zufahrt nämlich genehmigt.

Ein Stückchen weiter sehe ich schon die Burgruine von weitem und stelle fest – Öffnungszeiten hin oder her – da komm ich super zu Fuß hin. Also parke ich das Auto im Wald und marschiere los. Als ich das ehemalige Tor erreiche stelle ich auch direkt fest, dass die Öffnungszeiten nur für das Museum gelten und die Ruine frei begehbar ist. Tolle Wurst.
Die Ruine „Brandenburg“ ist in vielen Teilen noch intakt, zumindest intakter als manch andere Ruine und das Gelände recht weitläufig. Ich durchforste jeden noch so kleinen Trampelpfad und gucke mir das ganze aus allen Winkeln ganz genau an, ehe sich das Tageslicht abschaltet.
Nun geht es zurück auf die Autobahn und noch ein Stückchen weiter in den Osten – auf einem Rasthof bekomme ich noch etwas Essbares und checke dann in Weimar in einem Hotel ein, – das habe ich mir heute verdient.

mehr rumwalden

Nun habe ich die Ruine ausreichend erforscht und beinahe zu lange die schwindelerregende Höhe am Vorsprung genossen. So geht es weiter durch die ehemalige Hauptburg, vorbei an Resten der Umfassungsmauer in den Wald hinein.

Hier auf dem Rosenstein gibt es neben der Burgruine auch etliche Höhlen. In manch eine könnte man auch problemlos hinein, ich lasse es aber. Schließlich dürften Fledermäuse ab November ihren langen Schlaf halten und ich störe sie nur ungern – denn kaum einer weiss so gut wie ich, wie ätzend das ist.

So kommen wir nicht nur an Höhlen vorbei – nein auch an einigen Pilzen und vorallem schweineglatter Wurzeln wohin das Auge blickt. Eine gefühlte Ewigkeit später überrascht uns die Straße welche hinunter ins Tal führt. Die nutzen wir dann auch und kommen beschmutzt und beinahe erschöpft am Kadetten wieder an. Anschließend geht es nach Hause und später noch zu Herrn L. und Frau J. – die zogen vor einiger Zeit in die Nähe von Nattheim und nun ist endlich mal etwas Zeit für einen Besuch. Neben Rum und Vodka gibt es Urlaubsbilder und haarige Vierbeiner zu sehen. Schöööön.