serbia – romania

Ich checke aus und jetzt nach über 1500km werfe ich mal einen Blick unter die Haube. Der Motor ist noch da, Flüssigkeitsverluste sind im Rahmen und ich kann guten Gewissens weiterfahren. Heute möchte ich Serbien verlassen und steuere Rumänien an. Weit ist es zwar nicht, aber mangels Autobahnen zieht es sich natürlich ganz schön. Ich habe mich für den winzigen Grenzübergang nahe Morawitz entschieden und werde nicht enttäuscht, denn außer mir ist beinahe keiner da. Die Ausreise ist fix erledigt und weil ja sonst keiner da ist, kann sich die rumänische Grenzbeamtin voll und ganz mir widmen.

Irgendwann möchte sie dann sogar meinen Führerschein sehen und ich ahne schon Böses – zwar besitze ich einen, den ich allerdings vor vier Jahren als gestohlen gemeldet habe. Kurze Zeit später ist er wieder aufgetaucht und ich habe mir vorgenommen das der Polizei zu melden. Wohlwissend dass das in der Regel nix bringt (einmal als gestohlen gemeldet gehen an den Grenzen die Alarmglocken an).
Faul wie ich bin habe ich das nie erledigt, irgendwann vergessen und einen neuen nie beantragt. Sonst frägt aber auch nie ein Mensch danach. Ich erkläre ihr die Situation und anschließend ihrem Vorgesetzten. Die scheinen mir alle nicht so recht über den Weg zu trauen, denn der Chef befragt mich eine halbe Stunde lang und mag so einiges zigmal wissen. Offenbar schenkt er mir und meiner Reiseplanung die ich ihm zeige irgendwann dann doch Glauben und lässt mich passieren. Bei all dem Trubel hat mich dann noch der Zoll vergessen und ich bin in Rumänien.

Nun ist es hier in der Grenzregion (und weit drüber hinaus) fürchterlich hässlich. Also fahre ich einfach mal weiter und habe schon eine Idee wo es hingehen könnte.

Свилајнац

Nach einer wunderschönen Fahrt bis Svilajnac parke ich in der Innenstadt und sortiere zuerst die etlichen Bilder und stürze mich dann ins Getümmel der Fußgängerzone. Es ist zwar nur ein kleines Städtchen, aber irgendwie scheint ein jeder Serbe heute unterwegs zu sein. Vermutlich weil seit langem mal wieder die Sonne scheint und man beim verlassen des Hauses nicht direkt erfriert.

So watschle ich durch die Stadt, durchstreife alle Parkanlagen und gucke wie überall in Serbien auf viele Monumente, Statuen & Denkmäler. Wie ich dann ganz sicher alles gesehen habe pflanze ich mich noch in eine Imbissbude, futtere leckere Hamburger und suche dann mein Auto.

Bis Belgrad ist es nun rund eine Stunde Fahrt über die Autobahn und die 3,-€ Maut sind es mir auch wert, denn ich bin schon wieder müde. Im Hotel angekommen räume ich meine Habseligkeiten beisammen, schaffe etwas Ordnung und wasche nochmal ein bisschen Wäsche. Morgen nämlich möchte ich zeitig auschecken und wieder ein Stück weiterfahren.

serbian roadmovie

Nach einem entspannten Ruhetag möchte ich heute Wandern gehen. Es hat Plusgrade und der Schnee beginnt zu schmelzen – perfekt! Am Fuße des Avala südlich von Belgrad parkiere ich den Kadetten und möchte bis hoch zum Fernsehturm marschieren. Das klappt trotz Schnee auch ganz wunderbar, die ganze Zeit über treffe ich auf keine Menschenseele, höre keinerlei Autos und genieße die Ruhe. Vorbei am Denkmal des unbekannten Soldaten treffe ich plötzlich auf den Fernsehturm. Mangels gutem Wetter sieht man ihn nämlich nicht und so spare ich mir auch den Eintritt und die Aussicht. Also geht es wieder retour und anschließend weiter in den Süden.

Mein nächstes Ziel ist Svilajnac – rund 100km Landstraße trennen uns. Auf halber Strecke mache ich Halt an einem Supermarkt und bereite mir ein herrliches Kofferraum-Festmahl zu. Ständig werde ich von jungen Serben unterbrochen, die wissen wollen ob ich den weiten Weg aus Deutschland mit dem Auto gekommen sei und wohin es noch geht. Gesättigt unternehme ich noch einen Spaziergang durch Arandjelovac. Sonderbar schön ist es hier jedoch nicht – eher etwas trostlos, ungemütlich und schmuddelig.

ganz große augen

Wie ich gerade so in Richtung der Festungsanlage laufe, lässt mich ein Innenhof voller Oldtimer stoppen. Die sind alle in recht heruntergekommenen Zustand und wie sich herausstellt gehören sie zu einem Oldtimermuseum. Das hatte ich vor einiger Zeit schon entdeckt, inzwischen aber völlig vergessen.
Was ein Glück! Es ist auch geöffnet und ich trete direkt hinein.

Das Museum befindet sich ganz unscheinbar in einem Haus, kostet umgerechnet weniger als 2€ Eintritt und beherbergt Altwagen aus allen Epochen und verschiedener Hersteller. Einige Wagen sind nicht kaputtrestauriert und auch sonst ist alles ganz charmant in die Jahre gekommen. Viel Zeit einplanen muss man jedoch nicht, es ist recht überschaubar.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Festung von Belgrad. Oft umkämpft, erweitert und umgebaut im Laufe der Zeit ist sie heute Wahrzeichen der Stadt und mit ihren großzügigen Parkanlagen auch ein Schmankerl für Spaziergänger. Abgesehen von der Festung selbst gibt es hier einen Zoo, unzählige Monumente, zwei Kirchen und einen schöne Aussicht sowie das Militärmuseum. Ich laufe einmal alles ab, lese horrend viele Informationstafeln und habe dann genug für heute, sodass sich alles nun in Ruhe sacken lassen kann.