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In einigen Wochen steht unsere alljährliche Rallye an und leider haben wir völlig besoffen ein paar neue Regeln aufgestellt und um diesen gerecht zu werden, fahren wir heute nach Schweinfurt.

Die Regeln umfassen unter anderem:

  • Es darf keine Marke gefahren werden, mit der man schon an einer Rallye teilgenommen hat
  • Das Fahrzeug darf max. 500,-€ kosten – Reparaturen, HU usw. inklusive
  • Das Fahrzeug muss mindestens 20 Jahre alt sein
  • Das Fahrzeug darf nicht über Xenonscheinwerfer verfügen

Es fällt mir schwer nicht mit dem Kadett zu fahren, aber Regeln sind nunmal Regeln und so hole ich heute bei Herrn S. einen Supergau auf vier Rädern. Es ist ein Ford Fiesta, hat rund 75.000km gelaufen, ist 23 Jahre alt, hat ein Automatikgetriebe und kostet lediglich 100,-€ Der TÜV läuft leider im Oktober ab, die Rallye ist im November – aber das stört mich nicht. Ein bisschen Überziehen inmitten einer Pandemie sollte jawohl drin sein.

Zuhause angekommen hasse ich den Wagen bereits enorm, er bekommt auch schnell neue Bremsen, da diese leider nicht mehr vorhanden sind und wird fix umgelabelt, sodass keinem auffällt, dass ich einen Ford fahre.

Die Rallye sollte ursprünglich nach Rumänien gehen, das wird wegen der Pandemie leider nichts und so stehen aktuell einige Alternativen bereit, entschieden wird dann kurzfristig, denn Planungssicherheit ist ohnehin keine gegeben.

gentlemen drive #3

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Calais – nach einigen Kilometern habe ich Grund zu feiern, denn der Kilometerstand meines Kadetts springt mal wieder auf null. 400.000 ist er nun gelaufen und es wird wirklich Zeit, den Kadett nächstes Jahr wieder mehr Freigang zu gönnen. Sonst wird das nichts mehr mit der Million.

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In Calais fahren wir direkt in den Fährhafen. Vorab konnte ich bei P&O Ferries unsere Truppe als Rallyeveranstaltung anmelden und so bekamen wir einen sehr guten Preis. Nun sind wir aber fast drei Stunden zu früh vor Ort. Dem Mann am Schalter erkläre ich fix, dass er doch auch nicht will, dass wir nun hier mit 20 Leuten Bier trinken und auf unsere gebuchte Fähre warten, sodass er uns tatsächlich noch umbuchen kann auf die frühere Fähre. Bier trinken wir natürlich trotzdem und dann heißt es warten. Das Schiff kalbt unermüdlich Fahrzeuge aus seinem Rumpf bis wir schließlich dran sind uns hinein zu begeben.

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In der Fähre wuseln wir umher, machen die Kneipen unsicher und beschließen schon bald, dass wir auf direktem Wege in unser Hotel fahren. Wir sind nun schon ein langes Weilchen unterwegs und keiner hat so recht Lust die Fahrt unnötig zu verlängern. Als die Kreidefelsen von Dover erscheinen ist Aufbruchstimmung. Aus dem Hafen raus sammeln wir uns an einem Restplatz und manch einer schimpft über den Linksverkehr. Ich genoss ihn schon des Öfteren und weiß – man gewöhnt sich nach kürzester Zeit an diesen Unfug.
Die Fahrt von Dover nach Colchester in unser Hotel verläuft nun recht trist. Wir umfahren den Dunstkreis von London, verkehren ein wenig durch die Staus und sind pünktlich zum Sonnenuntergang an unserem Hotel. Die Truppe darf man betreut auf dem Parkplatz trinken, ich kümmere mich derweil um unsere Zimmer und freue mich dann auch, gleich ein Kaltgetränk öffnen zu dürfen.

kiełbasa wycieczka #6

Der Wecker klingelt und ich schäle mich aus dem viel zu bequemen Bett. Jetzt geht es nach Hause – bis wir alle abfahrbereit sind, ich die Zimmer bezahlt habe und wir uns sammeln vergehen nur zwei Stunden. Das ist rekordverdächtig. Weit kommen wir allerdings nicht, denn unsere Geldsäckerln sind noch voller Zloty. So fahren wir als erstes ein großes Einkaufszentrum an. Shoppen ist angesagt und wie zu erwarten läuft das völlig aus dem Ruder. Fast drei Stunden verbringen wir im Konsumtempel und ich werde ums Verrecken die Währung nicht los. Dabei befindet sich im Einkaufskorb sogar Obst und Gemüse. Ein Großeinkauf wird so schnell nicht mehr nötig sein.

In der Tiefgarage frühstücken wir noch eben gemütlich und dann geht es an die nächste Tankstelle. Der Kadett ist völlig leer und ich werde wieder ein paar Zlotys los. Mit vier Fahrzeugen fahren wir in Richtung Heimat. Die Saarländer bleiben noch für ein paar Stunden im Kaufrausch und treten erst dann die Fahrt an. Anfangs machen wir einige Stopps – McDonald’s, Tanken, Geld verprassen – ich habe noch immer Zlotys und die Grenze zu Tschechien ist nicht mehr weit.

Die 1.000km ziehen sich gewaltig, es wird viel zu schnell dunkel und wir halten nur noch für Fastfood und Benzin. Bis endlich die Grenze zu Deutschland in Sicht ist. Nun sind es nur noch knapp drei Stunden bis wir endlich in unsere Betten fallen können. Der Polizei scheint das ziemlich egal – im Walkie Talkie vernehme ich noch ein Lachen und schon schert die Polizei aus um mich auf den nächsten Parkplatz zu geleiten. Der Versuch mich hinter einem LKW zu verstecken ist leider missglückt. Jetzt wird es richtig unangenehm. Nun sitzen wir zu zweit im Auto, haben horrende Mengen Einkäufe, Gepäck, Unrat, Alkohol und Undefinierbares dabei. Mein Reisepass liegt irgendwo verborgen zwischen all dem Müll und die Cops machen sich daran, all das zu durchsuchen. Irgendwann hören sie schließlich auf, vermutlich sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht oder ekeln sich einfach nur? Wir werden es nie erfahren.
Am nächsten Parkplatz sammeln wir uns wieder und fahren dann nach Hause, wo wir die Runde nach einem gemeinsamen Bier noch abschließen.

Mögen die Planungen für 2019 beginnen!

kiełbasa wycieczka #5

Geplant war, dass wir heute um 08.00 gemeinsam nach Auschwitz fahren – geworden ist daraus natürlich nichts. Um 10.00 falle ich aus dem Bett und wie sich herausstellt bin ich nicht alleine. Die meisten haben verschlafen und ein Fahrzeug ist schon auf dem Weg nach Auschwitz. Irgendwie war das absehbar und wiederholt sich Jahr um Jahr genau so.
Nach ein wenig Körperhygiene rollt dann auch der Kadett in Richtung der KZ-Gedenkstätte und wie wir ankommen staune ich nicht schlecht. Seit meinem letzten Besuch 2014 hat sich einiges verändert. So wird man heute von einem Metalldetektor durchleuchtet, muss seine Taschen ausräumen und steht generell ganz schön lange Schlange.

Auf dem weitläufigen Gelände verteilen sich die Menschenmassen natürlich gut und man hat eher das Gefühl, dass Garnichts los sei.
Schon bei den ersten Schritten überkommt mich wieder dieses beklemmende Gefühl und ich merke schnell – einmal hätte gereicht. Ein zweiter Besuch wäre wirklich nicht nötig gewesen. Der Wahnsinn, der hier stattgefunden hat ist mir einfach unbegreiflich, an Perversion absolut nicht zu übertreffen.

So schlendern wir ein paar Stunden über das Gelände, besuchen die Ausstellungen und haben dann aber genug – mehr als genug. Wir trennen uns dann alle und fahren getrennt voneinander zurück ins Hotel. Für heute ist dann auch nichts mehr geplant und so können wir in unser liebgewonnenes Restaurant sitzen. Dort verbringen wir den restlichen Tag, bis der Laden schließt und vertilgen unglaubliche Mengen Essen und noch viel mehr Getränke. Es ist einfach so gemütlich dort, der Kellner hat uns irgendwann auch lieb gewonnen und so verbringt es sich hier ganz wunderbar den Tag. Nach einem kleinen Umtrunk in der Tiefgarage geht es dann schließlich ins Bett – morgen wartet immerhin die Heimfahrt auf uns.