wanderschaft #2

Jetzt müssen wir nur noch eben einen Gipfel auf 3.200m queren und dann haben wir schon einen guten Blick auf unsere Berghütte. Sie scheint so nah zu sein, doch ist es noch ein recht weiter und beschwerlicher Weg. Noch vor der Dämmerung kommen wir an und sind sogar pünktlich zum Abendessen da. Es gibt Suppe und Allerlei, anschließend stärken wir und mit Schnaps, Bier und einigen Partien Uno und erst spät in der Nacht fallen wir auf unsere Matratzen.

Wir haben Glück und bekamen ein Vierer-Zimmer – also vergnügen wir uns nur mit unseren eigenen Gerüchen, Stinkesocken und Flatulenzen. Am Morgen gibt es Frühstück und von der Hütte aus steigen wir mühsam ab und queren nach einiger Zeit eine Schlucht. Diese überspannt eine Hängebrücke vor atemberaubender Kulisse. Frau E. bleibt wegen akuter Höhenangst zurück, wir drei Männer marschieren noch ein Stückchen weiter, bis schließlich auch ich umkehre.

Der Weg zurück zur Hütte ist wieder sehr mühsam, wir fressen Höhenmeter um Höhenmeter und sind am Nachmittag schließlich wieder an der Hütte. Schnell befeuchten wir unsere Kehlen mit den üblichen Getränken und warten auf die Nachzügler. In der Nacht schaffen wir es erst sehr spät ins Bett, sitzen lange beisammen und trinken unerlässlich, spielen Uno und diskutieren hitzig über das Hüttensterben. An uns liegt es definitiv nicht, soviel sei verraten.

Am Morgen lassen wir es gemütlich angehen, warten bis die Trailrunner soweit vorbeigezogen sind und marschieren dann nach Obergurgl, wo uns Frau O. abholen mag. Für viele Stunden genießen wir den Abstieg, bleiben auch heute wieder halbwegs trocken und fahren am späten Nachmittag dann nachhause. Die von Söder lauthals angekündigte Grenzkontrolle entpuppt sich zum Glück als ein Witz und so sind wir am Abend in unseren eigenen Betten – ganz ohne seltsame Gerüche.

wanderschaft

Heute geht es bei herrlichem Sommerwetter auf die Autobahn. Ich sammle Frau E. ein und anschließend treffen wir auf der Autobahn auf Herrn K. Ein paar Stunden später sind wir dann auch schon auf dem Fernpaß, decken uns in Imst mit Fressalien ein und fahren dann weiter nach Längenfeld zu Familie O.

Hier gibt es neben der Begrüßung einige Kaltgetränke und bis spät in die Nacht sitzen wir beisammen. Eigentlich wären wir nun auf dem Wacken Open Air – pandamiebedingt findet das Festival natürlich nicht statt und so nutzen wir die freie Woche für die Berge.

Am nächsten Morgen geht es schon zeitig los, beim Bäcker holen wir Frühstück und quetschen uns dann in einen Bus. Der bringt uns durch Sölden und schließlich bis nach Vent. Hier ist Schluss, wir steigen aus und abgesehen von unserem Wanderführer-Kompagnon ahnt wohl keiner, was uns da erwartet. Noch trennen uns von unserer Schlafmöglichkeit rund 1.700 Höhenmeter und viele viele Kilometer.

Gleich zu Beginn ist die Steigung enorm, das Gepäck schwer und die Sonne gnadenlos – immerhin kühlt es mit jedem Höhenmeter ein wenig ab und Stunde um Stunde kommen wir voran. Die starken Steigungen machen wir eingerosteten Bengel ganz schön zu schaffen aber irgendwie geht es schon und wir queren die ersten Schneefelder. Zwischenzeitlich ist es Zeit für den Pullover geworden, wir marschieren am Rand eines Gletschers und haben das Ziel noch lange nicht in Sichtweite.

voll im trend

Heute sitze ich schon in aller Frühe im Kadett und fahre schon wieder nach Bayern. Seit Söders strengen Maßnahmen in Bezug auf den Coronavirus hänge ich besonders viel in Bayern rum und es wird überhaupt nicht langweilig. Für heute Mittag habe ich ein Date mit Ben und Whatabus

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Zuerst aber fahre ich nach Burghausen – dort schlendere ich durch das wie ausgestorbene Dorf und wage dann einen Grenzübertritt nach Österreich. Noch sind die Grenzen ja leider geschlossen, von Weiten aber sehe ich niemanden und latsche einfach mal über die Salzach. Die Polizei hat sich nur ganz gut im Schatten eines Baumes versteckt, mich dann sofort aufgehalten und natürlich habe ich keine plausible Begründung für meinen Besuch in Österreich, sodass ich wieder kehrtmachen muss. Über die Unsinnigkeit der Grenzschließung möchte ich nicht diskutieren und so habe ich schon einen Plan B.

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Über Burghausen thront nämlich die längste Burg der Welt – mit über 1km Länge kann man sich dort ganz schön die Beine vertreten und wird mit tollen Aussichten auf die Salzach, Österreich und die Umgebung belohnt. So schlendere ich ein Weilchen über die Anlage und mache mich dann bald wieder vom Acker.

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Ben wohnt in Mühldorf am Inn und bis dahin ist es jetzt noch ein Stück – auf halber Strecke liegt Altötting und wie ich meine ein perfektes Ziel für einen weiteren Spaziergang. Wo sonst Hundertschaften Pilger umherirren ist auch heute nichts los. Söders Ausgangssperren tragen Früchte und ich freue mich, dass ich bis dato kein einziges Mal kontrolliert oder gar aufgehalten wurde.

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Ich treibe mich auf dem Kapellplatz herum, umstreife die Gnadenkapelle und spaziere ein wenig durch die überschaubare Innenstadt um dann endgültig nach Mühldorf zu fahren.

energieträger erschöpfen

Auf ins Ötztal? Das ist leichter gesagt als getan. Nördlich von Graz nämlich hat vor Kurzem ein LKW in einem Tunnel gebrannt. Dieser muss nun saniert werden und dafür ist er gesperrt. Die Umfahrung kostet Zeit und auch der Weg bis Salzburg zieht sich enorm. Zu allem Pech müssen wir auch durch das deutsche Eck und müssen durch die noch immer aktive Grenzkontrolle zu Deutschland. Hat dieses dämliche Bayern noch immer nicht kapiert, dass ihr affiges Getue nichts weiter bringt, außer dass ich ständig hier im Stau stehe?! Freie Fahrt für freie Bürger, ihr Hinterweltler!

Wie wir irgendwann durchkommen geht es direkt wieder südwärts nach Innsbruck und dann nach Längenfeld. Seit einigen Jahren lebt Herr O. samt Freundin J. hier und seit meinem letzten Besuch ist es sehr viel ernster geworden. In Kürze beziehen die beiden ihre Eigentumswohnung und Herrn O. verstehe ich beinahe nicht mehr. Der Dialekt lässt keinen Zweifel – das ist kein Deutscher mehr! Der ist nun in Österreich vollintegriert und kann nie mehr zurück.

Gemeinsam gehen wir zum Italiener, haben uns einiges zu erzählen und futtern ganz vorzüglich. Im Anschluss ist auch noch etwas Zeit für einen Verdauungsspaziergang und so finden wir uns auf der Längenfelder Hängebrücke wieder, gucken ein wenig ins Tal und gehen dann zurück zum Auto. Ein Stück weiter steht bereits die neue Wohnung, schon bald bezugsfertig und wird nun von uns besichtigt. Nun auch mit Gästezimmer, sodass wir in Zukunft öfter kommen können!
In der alten Wohnung gibt’s dann noch Kaffee – ich trinke sogar einen Espresso – und dann verabschieden wir uns auch schon wieder. Vor uns liegt nun noch der Fernpass und ein wenig Autobahn, sodass wir planmäßig am späten Abend in unser heimisches Bett fallen können.