Rallye 2020 #6

Wir fahren und fahren und fahren und fahren. Nach einigen Stunden auf der A7 lassen wir den Daewoo auf einen Park & Ride Parkplatz zurück und fahren weiter in den Süden. McDonald’s versorgt uns mit Fressalien und kurz vor Mitternacht stehen wir schließlich in Friedrichshafen am Bodensee. Es ist kalt, ungemütlich und so fahren wir am See entlang an die Grenze zur Schweiz. Wir möchten uns Glück nicht überstrapazieren, immerhin wurden wir in Polen nicht erwischt und nun siegt die pure Vernunft, wir fahren weiter nach Freiburg und sehen uns die Stadt wieder durch die Autoscheiben an.

Nun fahren wir am Rhein entlang Richtung Norden und nutzen einen kleinen Grenzübergang nach Frankreich. Nahe Daubensand machen wir lediglich ein Foto – Hauptsache dort gewesen und Verbote ignoriert. Über Karlsruhe fahren dann nach Pforzheim, schließen für einen Moment die Augen und dann geht es über die schwäbische Alb zurück zum Daewoo. Auf der Alb haben wir sogar einen Hauch Schnee und die Rallye ist hiermit beendet.

Rund 3.000km haben wir mit dem Fiesta zurückgelegt, rund 1.500 mit dem Daewoo. Wir haben zwei Nächte im Fiesta verbracht und 3 Nächte bei anderen Rallyeteilnehmern, die dieses Jahr wegen Pandemie nicht teilnehmen konnten. Aber immerhin konnten wir ein paar der fröhlichen Gesichter auf diesem Wege sehen, hatten jede Menge Spaß und ich hoffe, dass wir nächstes Jahr die Rallye wieder auf normale Weise durchziehen können. Den Fiesta werde ich jetzt abstellen, abmelden und möglichst schnell loswerden. Ich bin erstaunt, dass er die Tour durchgehalten hat, macht ihn allerdings nicht zu einem besseren Auto.

oradour-sur-glane

Die Nazischweine haben 1944 eines ihrer vielen Verbrechen in Oradour-sur-Glane verübt. Nachdem es den Partisanen gelang, ein von den Nazis besetztes Dorf wieder einzunehmen und dabei viele der Deutschen draufgegangen sind, hatten die Nazis natürlich Vergeltungsgelüste.

So kamen sie im Juni 1944 im Dorf Oradour-sur-Glane an, trieben die Bewohner auf dem Marktplatz zusammen, trennten sie nach Geschlechtern und töteten schließlich die Frauen und Kinder in der Kirche in dem diese einfach abgefackelt wurde – wer aus dem Feuer flüchtete wurde erschossen. Die Männer wurden in einer nahegelegenen Scheune liquidiert. So Starben über 600 Bewohner und das gesamte Dorf fiel den brandschatzenden Nazischergen zum Opfer.

Heute steht das Dorf nach wie vor – verlassen, ausgebrannt und dient als Mahnmal. Der Besuch ist kostenlos und wie bei nahezu jedem Mahnmal des zweiten Weltkrieges, täte es unseren europäischen Faschisten guttun, diese auch zu besuchen.

Uns zieht es dann weiter ins nächste Dorf – hier essen wir lecker beim Türken und fahren dann wieder zurück in unser Schloss. Den Tag lassen wir am Pool ausklingen und fahren am Abend erneut ein paar Dörfer weiter um Pizza zu vertilgen.

das nächste paradies

Heute verlassen wir unser kleines Paradies und kleines Stück weiter gen Norden. In Angouleme machen wir einen ausgiebigen Stopp und schlendern hungrig durch die Gassen. Bei einem Inder schließlich werden wir pappsatt und setzen dann unsere kleine Touristentour durch die Stadt fort. Auch hier ist erschreckend wenig los, die Straßen wie leergefegt und auch die Stadt selbst scheint mir an vielen Ecken wie ausgestorben.

Nachdem wir genug von Angouleme haben, zieht es uns weiter auf die Schnellstraße. Es ist nicht mehr weit bis zu unserem nächsten Paradies. In einem winzigen Dorf mitten im Nirgendwo liegt das Château de Nieuil. Ein wunderschönes Schloss, das seit einiger Zeit als Hotel dient. Wir konnten gestern noch ganz spontan eines der letzten Zimmer buchen und nächtigen erneut fernab des Dachzeltes – fürstlich wie wir es verdient haben.

Für heute haben wir nichts mehr geplant, sondern sehen uns nur ausgiebig im Schloss um, schlendern durch den Schlosspark, liebäugeln mit dem Pool und machen eine kleine Wanderung an einen nahegelegenen See. Hier muss es früher einmal viele Ausflügler hinverschlagen haben. Verlassene Imbissbuden und Cafés erzählen von einer besseren Zeit.

dune du pyla

Den heutigen Tag versuchen wir nun nicht gänzlich auf dem Campingplatz zu verbringen und fahren nun zur Dune du Pilat. Mit über 100m Höhe ist sie die größte Wanderdüne Europas und es strengt tierisch an diese zu überqueren. Schweißgebadet kommen wir am Meer an, gehen ein bisschen ins Nass und spazieren auf der Düne umher.

Die Zeit hier auf der Düne vergeht wie im Flug und am Nachmittag gehen wir ins nächste Dorf, essen zu Mittag und gehen anschließend wieder einkaufen.

Zurück an unserem Platz ist es schon reichlich spät, sodass wir lediglich kochen und dann erschöpft ins Bett fallen, um anschließend den neuen Tag wieder am Pool zu verbringen. Den ganzen Tag schwimmen wir um die Wette, lesen viel und unterbrechen den Gammel hin und wieder für eine Partie Federball.