collapse de strasbourg

In Straßburg angekommen stehe ich schon recht schnell kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Es ist wirklich die klügste Idee zwei Tage vor Weihnachten in diese unbändige Weihnachtsstadt zu fahren. Mit dem Verkehr läuft es relativ locker, aber in einem Parkhaus nahe dem Zentrum verzweifle ich schier gar. Es dauert ewig bis ich einen Platz finde und zu allem Überfluss müssen wir dann auch noch mit unserem Gepäck durch eine Shoppingmall. Die Hölle.

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Unser Hotel liegt in der Innenstadt am Kléberplatz und so marschieren wir das kurze Stück um kurz vor dem Stadtgürtel aufgehalten zu werden. Die gesamte Innenstadt ist hermetisch abgeriegelt. Alle Fußgänger werden kontrolliert, Taschen werden durchwühlt und natürlich auch unser Reisegepäck. Keine Ahnung ob das dem Franzos‘ ein Gefühl der Sicherheit vermittelt – ich jedenfalls könnte direkt kotzen und bin noch genervter, als ich es ohnehin schon war.

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Nachdem wir eingecheckt haben treiben wir direkt durch die Stadt. Ganz Straßburg ist in einen unglaublichen Weihnachtskitsch verfallen. Alles ist wild dekoriert und wo man hinblickt gibt es Weihnachtsmärkte. Ist irgendwie ganz nett anzusehen, aber halt auch von allem Zuviel und ganz besonders schlimm sind die furchtbar vielen Menschen. Wir durchqueren im Zickzack die ganze Stadt, snacken hier und da ein wenig, verkosten Glühwein und verschwinden am Abend in den Betten.

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Nach einer ruhigen Nacht geht es dann weiter in die Pfalz. Über Weihnachten werden wir nun hier bleiben, Familie und Freunde besuchen, manchen Wein entkorken und etwas abschalten.

es weihnachtet sehr

In Kürze ist Weihnachten und damit ein willkommener Grund ein wenig umherzufahren – meine Gattin hat für die nächsten Tage die Grobplanung übernommen und noch weiß ich von nichts – zumindest tu ich so. Über Nacht sind wir in Straßburg und vorher in einem Museum – da ist mir direkt klar wohin es gehen soll.

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Nach ein paar Stunden Autobahn mit meinem Volvo kommen wir schließlich in Mulhouse an – dort findet man das Cité de l’Automobile – ein unglaublich großes Oldtimermuseum mit einem Bestand von rund 400 Fahrzeugen, davon sehr viel aus der Vorkriegszeit, vieles aus französischer Produktion und Unmengen an Bugattis. Es heißt dass die Sammlung damals ein Drittel der gesamten Bugattiproduktion beherbergte.

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Früher gehörte die Sammlung den Gebrüdern Schlumpf, nachdem deren Firma aber nicht mehr so recht lief gab es Streit zwischen den beiden und ehe die Sammlung zerstückelt wurde, fand sich ein Käufer für die komplette Sammlung und so blieb sie als Ganzes erhalten. Läppische 44 Millionen Francs kostete der Spaß und heute kann ein Großteil der Sammlung für ein paar müde Euro bestaunt werden.

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Nachdem wir uns reichlich umgesehen haben und beinahe wegen der Museumsküche kotzten, geht es nun weiter nach Straßburg.

gentlemen drive #7

In Belgien gibt es noch einen Schrottplatz im Wald den wir uns ansehen möchten. Mitten in der Nacht kommen wir an – wegen ungeklärter Besitzverhältnisse, schlechten Wetters und Dunkelheit ziehen wir dann aber wieder von dannen und auf der Autobahn klingelt dann mein Handy. Der Senator ist liegengeblieben. Die restliche Truppe fährt weiter bis an den nächsten Rasthof und ich drehe um. Am Senator wurde kurz vor der Rallye noch die Bremse – und vieles mehr – gemacht und nun hat sich eine Schraube vom vorderen Bremssattel verabschiedet. Die konnten wir auf der Straße nirgends finden und ohne ist eine Weiterfahrt nicht denkbar. Wir suchen überall an den Autos nach einer brauchbaren Schraube, klingeln in der Nachbarschaft und werden leider auch dort nicht fündig. Bis mir schließlich einfällt, dass die Schrauben meiner Dachzelt-Leiter passen dürften. Die habe ich sogar dabei und tatsächlich haben sie das genau richtige Maß.

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So geht es weiter nach Luxembourg – hier stopfen wir uns die Magen voll, tanken ganz ausgiebig und verabschieden uns schließlich von den Saarländern und zwei anderen Fahrzeugen. Was bleibt sind vier Autos und nun steht uns noch ein langer Ritt bevor. Wie wir auf die Autobahn fahren sehe ich auch schon die Polizei und wie das immer so ist, haben sie mich schnell eingeholt und bitten mich ihnen zu folgen. Die drei anderen tun es mir gleich und so werden wir direkt alle kontrolliert. Die beiden Cops sind aber furchtbar nett, wir bespaßen uns gegenseitig ganz hervorragend und so geht es nach der Kontrolle dann weiter. Nach ein paar Stunden Autobahn verabschieden wir uns schließlich alle und am frühen Morgen falle ich endlich in mein heimeliges Bett.

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Die diesjährige Rallye hat wieder viel Spaß gemacht, aber war wegen der langen Anreise inkl. Fähre natürlich etwas anstrengender als sonst. So blieb zu wenig Zeit für tolle Routen und auch vorab hatte ich leider nicht die Zeit mich um ein besseres Programm zu kümmern – wobei auch ganz klar ist, dass wir viel Spaß hatten auch mit dem „wenigen“ Programm.
Nächstes Jahr dürfte das dann anders werden, denn es geht nach Rumänien und wegen der Entfernung müssen wir noch einen Tag dranhängen. Das entspannt alles ein wenig und ich freue mich schon jetzt auf die Tour.

gentlemen drive #3

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Calais – nach einigen Kilometern habe ich Grund zu feiern, denn der Kilometerstand meines Kadetts springt mal wieder auf null. 400.000 ist er nun gelaufen und es wird wirklich Zeit, den Kadett nächstes Jahr wieder mehr Freigang zu gönnen. Sonst wird das nichts mehr mit der Million.

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In Calais fahren wir direkt in den Fährhafen. Vorab konnte ich bei P&O Ferries unsere Truppe als Rallyeveranstaltung anmelden und so bekamen wir einen sehr guten Preis. Nun sind wir aber fast drei Stunden zu früh vor Ort. Dem Mann am Schalter erkläre ich fix, dass er doch auch nicht will, dass wir nun hier mit 20 Leuten Bier trinken und auf unsere gebuchte Fähre warten, sodass er uns tatsächlich noch umbuchen kann auf die frühere Fähre. Bier trinken wir natürlich trotzdem und dann heißt es warten. Das Schiff kalbt unermüdlich Fahrzeuge aus seinem Rumpf bis wir schließlich dran sind uns hinein zu begeben.

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In der Fähre wuseln wir umher, machen die Kneipen unsicher und beschließen schon bald, dass wir auf direktem Wege in unser Hotel fahren. Wir sind nun schon ein langes Weilchen unterwegs und keiner hat so recht Lust die Fahrt unnötig zu verlängern. Als die Kreidefelsen von Dover erscheinen ist Aufbruchstimmung. Aus dem Hafen raus sammeln wir uns an einem Restplatz und manch einer schimpft über den Linksverkehr. Ich genoss ihn schon des Öfteren und weiß – man gewöhnt sich nach kürzester Zeit an diesen Unfug.
Die Fahrt von Dover nach Colchester in unser Hotel verläuft nun recht trist. Wir umfahren den Dunstkreis von London, verkehren ein wenig durch die Staus und sind pünktlich zum Sonnenuntergang an unserem Hotel. Die Truppe darf man betreut auf dem Parkplatz trinken, ich kümmere mich derweil um unsere Zimmer und freue mich dann auch, gleich ein Kaltgetränk öffnen zu dürfen.