ruine hochhaus

Die Weihnachtsfeiertage sind überstanden, die Waage ächzt unter der Last und wir fahren jetzt nach Bayern – ein wenig Ruinengucken. In der nähe von Nördlingen findet man im Wald die Burgruine Hochhaus. Man muss nur den Berg erklimmen und steht dann inmitten des Palas. Um 1200 wurde die Burg als Stammsitz einer Seitenlinie der edelfreien Familie von Hürnheim angelegt und 1347 an die Grafen von Oettingen-Oettingen verkauft. Sie wurde dann als Amtssitz genutzt, im 15. und 16. Jahrhundert modernisiert bis sie schließlich von den Schweden geplündert und niedergebrannt wurde. Um 1839 wird die Burg und deren Überreste endgültig verlassen und Dem Verfall preisgegeben.

So stehen heute die Überreste dort im Wäldchen und ein paar Schilder warnen vor Einsturzgefahr. Wir aber bleiben unbeeindruckt und sehen uns um, bis die Kälte uns schließlich zurück zum Auto geleitet. Dort treffen wir direkt auf die nächste Ruine. Den Kadett. Der mag nämlich nicht mehr anspringen. Perfektes Timing, so kurz vor Sylvester.
Mangels Handyempfang und Internet bin ich etwas ratlos und beschließe direkt, den ADAC nicht zu kontaktieren. Wie soll ich denen nun erklären auf welchem Feldweg genau ich hier stehe?
Also rufe ich Herrn D. herbei – mit Hilfe Googlemaps findet er die Ruine und kommt angebraust. Der Kadett ist schnell an der Abschleppstange und dann geht es direkt in die Werkstatt und für uns mit einem anderen Fahrzeug nach Hause.

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heilstätten

Ein Stück die A9 herunter kommen wir in Beelitz-Heilstätten an – den Ortsnamen hat er wegen der Heilstätten, welche Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurden. Grund waren die vielen Tuberkulosekranken vor allem in Berlin. Die Landesversicherungsanstalt lies darauf hin die Heilstätte bauen, um die Kranken schnell wieder fit und damit arbeitsfähig zu lassen. Schließlich sind gesunde Einzahlende weitaus besser wie Kranke und Pensionisten.

So entstand ein Ensemble aus 60 Gebäuden und einer Größe von über 200 Hektar, welches schlussendlich noch vor der Jahrtausendwende völlig leer stand. Lange Zeit diente es als Lungenheilstätte, während des Krieges auch als Lazarett und nach dem Weltkrieg schließlich als Militärhospital. 1994 verließen die Russen schließlich Beelitz und im Jahr 2001 ging die Eigentümergesellschaft in Insolvenz, sodass kein Wachpersonal mehr da war. In kürzester Zeit verwandelten sich die Beelitzer Heilstätten zum wohl bekanntesten Lostplace Deutschlands und die Sanierung der Denkmalsubstanz wurde eingestellt und Vandalismus hat den vielen Häusern schließlich den Rest gegeben.
Inzwischen sind viele Grundstücke verkauft, einige Häuser restauriert und viele werden bewusst gelassen wie sie sind – jedoch sollen sie so erhalten werden. In manchen Gebäuden kann man Führungen machen oder wer mag kann über einen Baumkronenpfad das zerbombte Alpenhaus bewundern.

Wie ich finde, eine tolle Sache und ich täte auch gern eine Führung machen, wenn auch mit dem Wissen dass im Inneren der Gebäude nicht mehr viel vom „Lostplace“ übrig sein wird. Dennoch zieht es mich magisch an und zu unserem Glück kommt uns eine kleine Gruppe entgegen. Wir können uns anschließen und sehen nun die Chirurgie von innen. Aus Sicherheitsgründen natürlich nur einen kleinen Teil und auch nur im Erdgeschoss. Dennoch macht die Tour Spaß und unsere Führerin scheint sich so richtig in das Thema eingefuchst zu haben. Es stimmt ein wenig traurig dass der Förderverein heftig mit den Ämtern zu kämpfen hat, um banal wirkende Dinge wie die Abdichtung des Daches genehmigt zu bekommen. Denkmalschutz ist kein Kinderspiel und das Unterfangen die vielen erhaltenswerten Gebäude und die Geschichte am Leben zu halten, scheint unlösbar. Vermutlich werden noch viele Jahrzehnte vergehen und die Schäden werden damit nicht kleiner. Schade drum.

Momentan werden drei Führungen angeboten sowie der Baumkronenpfad. Andere Gebäude werden inzwischen wieder zivil genutzt, sind restauriert oder gerade in Bau. Ich jedenfalls bin gespannt wie sich die Heilstätten entwickeln und bin froh über die wirklich gute Arbeit des Fördervereins. Wenn auch klassische Lostplaces mir viel mehr zusagen.
Nun trennen uns nur noch 600km von der Heimat und in einem Rutsch bringen wir die fix hinter uns.

kdf-heim und mehr

Nun stehen wir in Prora am ehemaligen KdF-Wohnheim und möchten einen Blick darauf wagen. Von der auf fast 5km geplanten Urlaubsanlage sind heute noch rund 2,5km übrig – ein gigantischer Bau der damals 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub ermöglichen sollte. Die Nazis haben es wie so vieles jedoch nie zu Ende gebracht, denn der Krieg kam dazwischen. Im Laufe der Zeit diente der Bau dann als Lazarett und später den Sowjets sowie der Bundeswehr. Teile der Anlage wurden gesprengt, abgetragen und was nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion übrig blieb benutze das Militär noch für kurze Zeit. Anschließend stand alles leer und es zogen Vandalen, Diebe und die Natur durch die endlosscheinenden Gebäude. Der Verfall war trotz Denkmalschutz weit fortgeschritten und erst nach der Jahrtausendwende wurden Gebäude verkauft.

Seither wird fleißig gebaut und vieles scheint auch fertig, der Rest steht so vor sich hin und so vergehen sicher noch viele Jahre, bis zur Fertigstellung. Vermutlich sind die ersten Blöcke bis dahin dann wieder renovierungsbedürftig. Um ein wenig mehr Aufklärung zu bekommen, besuchen wir das Prora Dokumentationszentrum. Hier erfährt man einiges über die Planung der Anlage, die Nutzung und die Zukunft. Auch wird „Kraft durch Freude“ beleuchtet und vieles Drumherum. Ein kurzweiliger aber dennoch interessanter Besuch, aber mehr möchte ich nicht sehen. Sicher täte es mir Freude bereiten, die Anlage einmal zu umwandern, aber dazu fehlt mir jetzt definitiv die Lust.

Stattdessen fahren wir zum Ostseebad Binz, verzehren ein Fischbrötchen und wieseln über die Seebrücke und anschließend am Strand entlang zum Auto. Selbiges machen wir in Göhren, dort genießen wir den Sonnenuntergang und ich nehme das Museumsschiff Luise in Augenschein. Das liegt hier in nähe des Südstrandes kraftlos herum und ist teil eines kleines Freilichtmuseums. Eintritt muss man keinen bezahlen wenn das Kassenhäuschen unbesetzt ist und man einfach an den Absperrungen vorbeigeht.

rolling rügen

Ich habe mal von einem alten verlassenen Schloss auf Rügen gelesen – da möchte ich heute hin. Der Kadett liefert uns in der 25km entfernten Stadt ab und zu Fuß marschieren wir ein Stück durch den Wald. Es geht geschichtsträchtig zu, denn das gesamte Areal ist übersäht mit verlassenen Bauten.
Vom Schloss selbst ist leider nicht mehr viel übrig – die Sowjets haben es 1948 gesprengt. Was blieb sind Überreste der Pavillons, Kellerräume und nebenan der Marstall. Er blieb verschont und brannte dann vor 20 Jahren leider aus. Die Außenfassade blieb aber weitestgehend intakt und zeigt sich nun recht verwunschen durch das viele Grün.
Auch sonst gibt es hier im Wald einiges zu sehen. Etliche Fabrikhallen, Wohnhäuser und Bunker säumen das Gelände – alles steht leer und birgt einen ganz besonderen Zauber an der Steilküste zur Ostsee.

Dort krabbeln wir auch hinunter und flanieren etwas am Meer um anschließend wieder unser Auto aufzusuchen. Unterwegs treffen wir auf eine alte Greisin die trittsicher an der Küste herumklettert und Ostseeschätze sucht. Früher tat sie das zum Verkauf an Touristen und heute nur noch für die eigene Sammlung. Auch sonst hat sie viel zu erzählen – so schimpft sie über die Neonazis, lobt das Wetter und hat interessante Geschichten von ihrer Flucht nach Rügen parat. Von Ostpreußen kam sie nach Rügen und ich könnte Stunden ihren Geschichten lauschen.
Wir aber müssen irgendwann weiter und fahren zu einer etwas anderen Art Lostplace auf Rügen.