stresstest

Der Kadett hat bis dato ein schwieriges Jahr hinter sich, musste im Frühjahr den Motortausch über sich ergehen lassen und wurde dann kurze Zeit später von übereifrigen Polizisten aus dem Verkehr gezogen. Sie schwafelten etwas von nicht verkehrssicher und sowieso, dies und das. Der zu Rate gezogene Gutachter fand ihn gar nicht so schlimm, attestierte aber natürlich eine ewig lange Mängelliste, die es nun galt abzuarbeiten. So wurden in den letzten 2 Monaten unendlich viele Kleinigkeiten behoben, repariert und ausgetauscht, um so ganz nebenbei dem Kadett ein neues Blechkleid zu spendieren. Es zogen komplett neue Seitenschweller ein, er bekam neue Kotflügel, neue Radläufe und im Anschluss auch neuen Lack – natürlich dilettantisch aus der Spraydose.

Dem TÜV habe ich das Sorgenkind dann vorgeführt, er schüttelte den Kopf über die Mängelliste und anschließend gab es die neue Plakette. Keine Mängel – alles in Butter, es hat sich also gelohnt.

Nun ist es an der Zeit den neuen Motor einzufahren, ihn ausgiebig zu testen und so stehen wir heute früh auf und begeben uns auf die Autobahn in Richtung Österreich. Wir fressen Kilometer ohne Ende, brettern an Wien vorbei und ehe wir uns versehen, sind wir auch schon in Ungarn. Grenzkontrollen fanden keine statt, wir kommen gut voran und ein gutes Stück hinter Budapest hält uns ein Mororradbulle an. Mein Licht sei nicht an – dass eine Tagfahrlicht besteht weiß ich, habe ich aber vergessen. Der korrupte Mistkerl begnügt sich mit der halben Strafe, wenn er keine Quittung ausstellen muss – als Schwabe nehme ich dieses Angebot natürlich an, behalte mir aber vor ihn vielleicht doch noch zu melden.

rheinwärts

Wir tuckern weiter entlang des Rheins und kommen schließlich in Bingen an – auf den ersten Blick irgendwie unschön hier und so queren wir wieder den Fluss mit einer Fähre. In Rüdesheim ist es etwas schöner, stark touristisch und so streifen wir durch das Städtchen um anschließend mit einer Seilbahn zum Niederwalddenkmal zu gelangen. 1883 eingeweiht huldigt das Denkmal seither der deutschen Einigung von 1871, blickt nach Frankreich und ich genieße mal wieder viel mehr die tolle Aussicht von hier oben. So richtig begeistern für die Gedenkbauwerke aus dem deutschen Kaiserreich konnte ich mich noch nie, also fahren wir mit der Seilbahn wieder talwärts und fahren allmählich zurück nach Sankt Goarshausen.

Am Abend gibt es leckeres Essen, ehrfürchtige Blicke auf den Rhein und einen Spaziergang in Richtung Norden, bis wir schließlich zu Bett fallen. Pünktlich zu einem fabelhaften Gewitter sind wir wieder auf den Beinen, täten das ganz gern am Rhein beobachten und werden dann aber ziemlich schnell pitschnass, sodass wir uns wieder in die Ferienwohnung verziehen.

Nun haben wir das südliche Mittelrheintal etwas erkundet und fahren nun nach Norden. Unseren ersten Halt machen wir an der Burg Sterrenberg und der Burg Liebenstein. Die liegen fast nebeneinander, sind halbwegs öffentlich zu besichtigen und wie gewohnt – eine tolle Aussicht! Weiter geht es nach Braubach – unterhalb der Marksburg parken wir, sparen uns aber den Fußmarsch nach oben und verweilen stattdessen am Rhein um anschließend in Lahnstein lecker zu essen.

Hier endet nun unsere kleine Mittelrheintal-Erkundung, über Koblenz wechseln wir wieder die Rheinseite und fahren gemütlich nachhause, in der Hoffnung, dass der viele Sonnenbrand schnell verheilt.

noch mehr chaos

Eigentlich täten wir jetzt gern bereits auf dem Weg in den Westen sein, allerdings habe ich gestern meinen Autoschlüssel verloren und nun steht mein kleiner Volvo völlig vereinsamt am Straßenrand. So rufe ich nun den ADAC und warte – währenddessen kriegt er auch einen schmucken Strafzettel an den Wischer geklemmt und als der ADAC schließlich eintrifft, beginnt das wilde Angeln. Clever wie ich bin, habe ich nämlich den Zweitschlüssel im Kofferraum liegen, sodass er diesen nun durch die Seitenscheibe herausfischen darf. Zu meinem Erstaunen klappt das sogar relativ gut uns zügig, sodass wir dann auch bald loskommen.

Die Autobahnen sind horrend voll, bei Wiesbaden sogar gesperrt inklusive Umleitung durch die Stadt und so dauert es ewig, bis wir schließlich ankommen. In Sankt Goarshausen beziehen wir unsere Ferienbutze und flanieren noch ein wenig am Rhein entlang, snacken leckere Pizza und fallen dann schließlich zu Bett.

Den neuen Tag beginnen wir bei Höllentemperaturen mit einer kleinen Wanderung auf den Berg mit einer tollen Sicht auf die Loreley, den Rhein und das Tal. Stundenlang kann man hier ganz wunderbar die vorbeirauschenden Züge und Schiffe beobachten – Wohl dem, der hier nur urlaubt und nicht wohnt. Sattgesehen begeben wir uns zurück ins Auto und schippern mit der Fähre über den Rhein um uns auch Sankt Goar anzusehen. Viel zu sehen gibt es nicht, dafür aber leckeres Essen und einen Spaziergang am Rhein entlang zu einem kleinen Strand. Dort erfasst eine Bugwelle unser Hab & Gut und so wird es Zeit zu verschwinden.

Ein paar Kilometer weiter thront die Burg Rheinstein und empfängt uns für ein kleines Entgelt, lässt uns ihre alten Gemäuer begutachten und wir durchstreifen die gesamte Burg. Der Ausblick auf das Rheintal ist auch hier – wie im Grunde überall in der Gegend – fantastisch.

chaostage tirol

Heute fahren wir nach Österreich – ist zwar nach wie vor verbunden mit Quarantäne und all so einem Kram – uns aber egal. Immerhin bin ich geimpft, genesen, getestet, gefährlich, geklont und gekocht. Nach einiger Fahrt brettern wir durch den Tunnel nach Österreich und kurz nach der Grenze wird der Verkehr durch eine Kontrolle geleitet. Wundersamerweise gibt es zwei Spuren und mangels Sprachkenntnisse entscheide ich mich für die „Transit Italy“ Spur. Hier wird nicht kontrolliert und ich freue mich darüber, dass wir uns wie gewohnt überall durchmogeln können.

Im Ötztal angekommen gehen wir sogleich zu Familie O., verweilen auf der Terrasse, frühstücken und genehmigen uns die ersten Biere. So vergammeln wir den ganzen Tag, beziehen nachmittags unsere Ferienwohnung und feiern noch eine kleine Party im Hotel um die Ecke. Ziemlich spät wackeln wir in unsere Betten und beginnen den Morgen mit einem Frühstück im Hotel um anschließend zu einer Wanderung aufzubrechen. Bewaffnet mit Wegebier starten wir durch, pausieren am Winkelsee und erklimmen den Berg. Dort wartet eine Hütte auf uns mit Kaltgetränken und reichhaltig Essen. Gestärkt kommen wir am Abend zurück, bestellen Pizza und holen im Supermarkt noch Bier, sodass die Nacht wieder feuchtfröhlich einbricht.

Am Morgen wieder Frühstücksroutine und anschließend fahren wir mit drei Fahrzeugen nach Oetz, um den Piburger See zu umwandern. Auf halber Strecke gibt es ein Restaurant – wieder Kaltgetränke und Essen. Wir sitzen lange zusammen und marschieren dann wieder zurück um uns zu verabschieden. Unsere Lieblingsösterreicher lassen wir hier und fahren wieder gen Heimat. In einem Supermarkt decken wir uns mit Lebensmitteln ein und dann schüttet es wie aus Kübeln. Das Wetter hat so gut gehalten, dass uns das nun so überhaupt nichts ausmacht.

Den Fernpass lassen wir hinter uns und die Einreise nach Deutschland klappt auch problemlos – wie immer wird nicht kontrolliert und uns bleibt irrsinnige Testerei, Quarantäne und anderer Blödsinn erspart. Zuhause angekommen mache ich mich dann direkt wieder auf den Weg zum illegalen Public Viewing des 24h-Rennens mit jeder Menge Haushalte. Das Rennen wird allerdings schon am frühen Abend wegen Nebel unterbrochen und so feiern wir einfach die ganze Nacht durch, bis das Rennen am nächsten Mittag wieder gestartet wird. Irgendwie langweilig – die Party aber war klasse!