auf nach enkirch

Der gesamte Sommer stand völlig ungeplant und unerwartet im Zeichen von Konzerten – nun wo er sich dem Ende neigt, muss ich gestehen: Das war leider exzessiv! Wir haben nichts anbrennen lassen, ich habe viel Zeit mit alten und auch neuen Freunden verbracht und ganz nebensächlich Deutschland das ein oder andere mal durchquert. Im Ausland hingegen war ich seit Bratislava nicht mehr & auch das Reisen kam völlig zu kurz. So schön es war, ist es nun Zeit für Normalität. Alltag und son Zeugs.

Nicht jedoch heute! Denn zumindest ein Globetrottertreffen möchte ich dieses Jahr noch mitnehmen & Herr S. lässt mir quasi keine Wahl. Er möchte mal auf so ein Treffen, diese Woche hätte er Zeit und ich bin kurz davor loszutigern. Das Zeitmanagement habe ich nun völlig durcheinandgebracht, so kommt es dass ich anders als geplant ohne Beifahrerin nach Enkirch düse. Die hängt nämlich noch am Flughafen rum, während Herr J. und auch Herr S. längst unterwegs sind. Ich organisiere ihr kurzerhand eine Mitfahrgelegenheit ab Hessen und düse fix nach Enkirch. Wie ich ankomme wartet der J. bereits am Eingang und wir suchen uns dann ein schönes Plätzchen zum Verweilen. Kurz darauf trudelt auch Herr M. ein, das Wiedersehen ist ganz wunderbar und wir zelebrieren das bis spät in die Nacht.

Wie ich in mein Dachzelt steige, bereue ich es fast nur wenig getrunken zu haben. Denn es ist bitterkalt, der Himmel sternenklar & mein Schlafsack zu Hause. Manchmal endet der Sommer einfach viel zu abrupt! Mit zwei Decken, dicker Kleidung und warmen Gedanken finde ich aber schließlich Schlaf und freue mich schon auf den kommenden Tag.

festivalhopping

Anstatt Münster hatten wir geplant auf ein Festival nähe Hannover zu fahren, die Veranstalter jedoch haben mir davon abgeraten, da kaum noch Tickets verfügbar sind. Also schauten wir uns spaßeshalber nach Ersatz um. Fündig geworden sind wir nähe Bielefeld – also ab dafür, uns trennen noch drei Stunden Autobahn.

In Winsen (Luhe) werfe ich aber den Anker, denn was uns beiden mächtig gut tun würde, ist das Herstellen der Hygienestandards. Ab ins Hallenbad! Die Dusche tut unfassbar gut & das Kinderbecken ist mollig warm. Ist fast wie Therme und das Essen im Bad ist auch erstaunlich gut. Putzmunter sitzen wir wieder im Kadetten und steuern Schloß Holte-Stukenbrock an. Dort ist seit einigen Tagen das „Holter Meeting“. Ein kleines Festival, abgesehen von Campinggebühren kostet es nichts & wir haben erstaunlicherweise richtig Lust drauf.

Dort angekommen finden wir sogar noch einen Platz, breiten uns aus und haben urplötzlich ne Menge neuer Freunde. Keiner mag so recht fassen dass wirklich zwei Chaoten von so weit her auf dem Holter Meeting sind & allesamt sind entgegen unserer Befürchtung wahnsinnig nett und aufgeschlossen. Auf kaum einem Festival war die Dichte der korrekten Leute so groß wie dort, ich bin entzückt!

erholung im taubertal

Irgendwie bleibt überhaupt keine Zeit für Erholung, denn kaum zurück aus Mönchengladbach, wartet bereits das Taubertal Festival auf uns. Ich packe ein wenig Zeugs beisammen und tuckere gemütlich auf die Autobahn bis Wörnitz. Dort treffe ich mich mit der Whatabus-Gang und dann geht es auch schon weiter nach Rothenburg. Das Festival wurde dieses Jahr im positiven Sinne umstrukturiert, die Campingplätze sind neu aufgeteilt und auch das eigentliche Gelände präsentiert sich in ganz neuem Glanz. Grund genug hinzufahren und 5 Tage aufm Acker zu verweilen.

Im Nu steht unser Camp und Herr M. grillt ganz wunderbar, während Herr B. mich abfüllt. Rundumservice sozusagen. So vergehen fünf Tage Festivalstress, wir lernen eine Menge toller Leute kennen, feiern rund um die Uhr und ich schaffe es tatsächlich auch zu den Bands. Den Schmutzkimob sowie das Konzert habe ich am Donnerstag mitgenommen und am Freitag natürlich Liedfett, Fiddlers Green und Jennifer Rostock. Anschließend war eine Dusche nötig, denn ich musste unbedingt im Schlamm tanzen, so wie sich das für einen waschechten Deppen gehört. Den Samstag verbrachten wir dann ausschließlich im Camp, denn keiner hatte Bock auf Bands und das miese Wetter und so fröhnten wir unserer guten Gesellschaft, bis wir Sonntag Nachmittag schließlich das Festival verlassen haben. Der Whatabus brauchte wieder Hilfe vom Traktor, während der Kadett ganz unbeeindruckt durch die Schlammwüste bretterte um anschließend sogar ganz ohne Polizeikontrolle weiterzukommen.

Das Festival war entgegen meiner Erwartungen grandios, was mit Sicherheit auch an den vielen tollen Leuten in unserem Camp lag und der Umstrukturierung des Zeltplatzes. Zum ersten mal konnte ich Durchschlafen auf dem Taubertal und auch sonst hielt sich sämtliches Chaos in Grenzen. Das soll nun aber wirklich das letzte große Festival gewesen sein – ob ich da konsequent bin weiss ich leider noch nicht.

mission ready

Frau J. nimmt heute mal wieder im Kadett platz – unser Ziel ist Giebelstadt nähe Würzburg. Vor ewigen Zeiten haben wir uns Tickets für das Mission Ready-Festival gekauft und nun ist es endlich soweit. Über die Autobahn geht es nur zäh voran und als wir schließlich ankommen, hat Frau J. bereits eine Flasche Sekt getrunken. Ich bin fast etwas neidisch. Vor Ort fix das Dachzelt aufgebaut und schon genieße ich kalten Wein und freue mich dann umso mehr als die Wohnmöbse auftauchen. Kurze Zeit später trudeln auch die Whatabüsser samt Herrn B. ein und unsere kleine Wagenburg steht im Nu.

Bands spielen heute keine und so können wir uns ganz locker der Geselligkeit hingeben. Wie das manchmal so ist – gerade wenn man sich jung fühlt – kann ein solcher Tag ganz schön lange andauern. So kommt es dass ich erst morgens um 06.00 Uhr mein Dachzelt aufsuche und etwas irritiert bin, weil dort Frau J. vor sich hinschläft. Die letzten Quadratcentimeter ergaunere ich und versuche zumindest ein bisschen zu schlafen. Ein paar Stunden später ist jedoch an Schlaf nicht mehr zu denken, ich krabbele hinaus und gönne mir ein Frühstück aus Reis und Tomatensoße. Dass mein Magen mit Purzelbäumen antwortet brauche ich vermutlich nicht erwähnen. Beruhigung schafft dann Wodka in rauhen Mengen und wir sitzen erneut herum, uns besuchen viele neue Bekanntschaften und auch Chaoten die man von vergangenen Festivals so kennt. Der Tag ist ganz herrlich schön und gegen Mittag verschwinden wir zu Rantanplan – eine Hamburger Band die ich schon immer sehr mochte und irgendwie nie live sah. Das Konzert war spitze, der Sound unerwartet gut und nun gefallen mir sie direkt wieder ein Stück besser. Nun verziehen wir uns zurück in die Wagenburg und ich köpfe noch fix einen guten Morio Muskat um später dann das Konzert von Me first & the Gimme Gimmes anzusehen. Zusammen mit Herrn B. poge ich um die Wette und merke erst reichlich spät, dass es schon die ganze Zeit regnet. Nach dem Konzert möchte ich mich nur kurz aufwärmen… heize den Kadetten auf 40 Grad und lege mich im Adamskostüm hinein. Mit jeder Sekunde wird klar – so verpasse ich Flogging Molly. Die Wärme aber tut so herrlich gut. Also beschließe ich mir das Konzert von hier aus anzuhören, sehe mich schon im Auto schlafen und als schließlich Frau J. kommt raffe ich mich auf und schlafe elend lange bis zum nächsten Morgen im Dachzelt.

Während die meisten Besucher recht eifrig verschwinden, üben wir uns weiter in Geselligkeit, Frühstücken ein wenig und packen erst gegen Mittag zusammen um uns dann ganz herzlich zu verabschieden. Es war – ganz im Ernst – wohl eines der besten Festivals auf dem ich je war. Unser Anarchiecamp hat ganz toll harmoniert, die Nachbarn waren auch nicht von schlechten Eltern & an der Organisation sowie am Lineup des Festivals, gibt’s nichts auszusetzen. Gerne komme ich wieder!