london calling

Am Hotel verfrachten wir den Kadett im Parkhaus und bis unser Zimmer fertig ist, dauert es auch noch ein bisschen. So bleiben wir einfach im Kadett sitzen, lauschen die letzten Kapitel unseres Hörbuches und für einen Moment döse ich auf dem Lenkrad, bis wir schließlich unsere Bude beziehen. Wir machen uns frisch, penetrieren den Roomservice und bevor das Essen kommt, erzähle ich meiner Gattin von meinen zahlreichen schlechten Erfahrungen mit der englischen Küche. Natürlich schmeckt das Essen wie gewohnt fürchterlich und wir fallen früh zu Bett.

Am Morgen geht es nach dem Frühstück mit der Bahn nach Wembley. Dort habe ich uns den PCR-Test gebucht und da meiner gestern positiv war, frage ich mich was wohl pssiert, wenn auch dieser positiv ist. Quarantäne und all den Quark gibt es in England nicht mehr & trotzdem wäre mir ein negatives Ergebnis ganz recht, denn falls mein Positiver den Ämtern übermittelt werden sollte, habe ich mit dem negativen PCR-Ergebnis eine solide Argumentation, wieso ich trotzdem nach England fuhr.

Der Test ist schnell gemacht, das Ergebnis soll dann morgen folgen und wir fahren von Wembley nach London rein. Zuerst lassen wir uns am Bahnhof Kings Cross hinausspucken. Schließlich sind wir in London und müssen unbedingt ein paar Harry-Potter Drehorte abgrasen. Wir schauen uns den Bahnhof an, fotografieren uns ganz vorbildlich am 9.3/4-Gleis, stöbern im Merchandiseshop und fahren dann nach St Giles. Hier schauen wir uns Neals‘s Yard an. Eine kleine, schnuckelige Passage, tolles Fotomotiv und nur ein paar Meter von Covent Garden entfernt.

ankunft im königreich

Dover verlassen wir auf direkten Wege und sind schon bald im Dunstkreis Londons. Über den äußeren Ring geht es dran vorbei, die Dartfort-Maut habe ich diesmal entrichtet, sodass nicht wieder ein fettes Knöllchen folgt.

Wir sind nun ziemlich früh dran, da der Kadett keine Probleme gemacht hat, es keinen Stau gab und die Fähre auch lässig über die Bühne ging. Wo sind die Tage der Chaos-Irrfahrten geblieben? Da wir ohnehin erst sehr viel später im Hotel einchecken können, machen wir noch einen Abstecher nach St Albans nördlich von London.

Die Parkplatzsuche kostet kurz Nerven, aber selbst das funktioniert dann und wir spazieren durch den Verulamium-Park zur St. Albans Kathedrale. Diese ist recht beeindruckend, wir sehen uns satt und spazieren dann noch ein wenig durch St Albans. In der Innenstadt ist Streetfoord-Markt und natürlich wird gegessen. Für mehr sind wir aber irgendwie nicht mehr zu haben – zwei Tage ohne Schlaf spürt man in unserem stark fortgeschrittenen Alter offenbar doch.

Zurück am Kadett geht es zu unserem Hotel. Das liegt außerhalb der Citymaut, denn diese würde den Zeitwert des Autos definitiv übersteigen & London macht selbst mir auf eigener Achse so gar keinen Spaß.

no-covid travelling

In den letzten zwei Jahren ist es für uns zum Sport geworden, immer das Land mit den wenigsten Coronaregeln als Ziel heranzunehmen. Nun ist es England geworden, Regeln soll es keine mehr geben und somit dürfte dem ja nichts im Wege stehen. Was ich bei der Planung aber vergessen habe, ist die Tatsache, dass für Ausländer doch noch eine Regel besteht. Das Passenger Locator Form. Ein Einreiseformular, dass so manchen Coronakram abfragt. Wenn man nicht gerade vierzig bis fünfzig mal geimpft ist, benötigt man zur Einreise/Beförderung einen negativen Test und hat nach der Einreise 2 Tage Zeit, einen PCR Test zu machen. Dieser muss vorab gebucht und bezahlt werden.

Der negative Schnelltest ist schnell besorgt. Meiner war kurz vor Abfahrt blöderweise positiv und dann testet man eben so lange, bis man negativ ist oder schaut nach anderen Alternativen.

Nachdem alle Papiere beisammen sind und hochgeladen wurden, können wir schließlich abfahren. Über die horrenden Spritpreise kann ich nur lachen – das ist bei einer Englandfahrt für gewöhnlich der kleinste Posten und so rollen wir quer durch Deutschland auf Belgien zu.

Am frühen Morgen erreichen wir Calais in Frankreich und unsere Fähre steht auch schon bereit. Es ist wahnsinnig wenig los, wir stromern ein bisschen durchs Schiff und verabschieden Frankreich mit dem Sonnenaufgang, sodass die Kreidefelsen von Dover uns im Sonnenschein begrüßen.

obsession kraftfahrer

Meine Gattin benötigt ein Shuttle nach Karlsruhe und ich habe einen Traktoren-Zylinderkopf im Kofferraum liegen, der noch nach Darmstadt muss. Ideale Voraussetzungen um dem Kadett ein paar Kilometer zu gönnen.

Frau E. setze ich in Karlsruhe ab und schippere anschließend zur hessischen Bergstraße. Dort wartet schon Herr S. auf mich, nimmt seinen Zylinderkopf in Empfang und versorgt mich mit Riesling aus eigenem Anbau. Anschließend hatte ich geplant, entlang der hessischen Bergstraße mir einiges anzusehen. Das Wetter wäre sogar recht hervorragend für mein Vorhaben. Nach ein paar Stunden im Kadett, packt mich allerdings die Lust weiterzufahren.

So fahre ich völlig sinn- und planlos wieder gen Süden, schippere durch die Pfalz und überschreite auf einer Landstraße die Grenze zu Frankreich. Im Elsass gucke ich mir Roppenheim an und bekomme den Hinweis, mir doch die Geschichte zur „Roppenheimer Sau“ durchzulesen. Ein Wildschwein hat sich während des 2. Weltkrieges einen feuchten Pups um die Grenze geschert und immer wieder die Frontlinien überquert, sodass es zu Verwirrungen zwischen Frankreich und Deutschland kam, die in der Entführung eines Metzgermeisters gipfelten. Mehr war dann doch nicht herauszufinden & Ich genieße jetzt den Sonnenuntergang, bis ich wieder nach Karlsruhe fahre um meine Gattin abzuholen.