schluss mit lustig

Die Zeit am Pool vergeht wie im Fluge. Sonnenbad jagt Planscherei und Essenszunahme. Ich verschlinge Buch für Buch und es fühlt sich schon wieder alles ein klein wenig wie Urlaub an.

Die Nächte sind sehr angenehm, es kühlt immer auf etwa 20 Grad ab und bleibt stets trocken – perfekte Bedingungen für ein Dachzelt. Was mich etwas stört ist die Nähe zu Marrakech – denn der Verkehr ebbt erst spät ab und wir stehen relativ nah an einer Hauptstraße. Aber was soll’s – Spaß hat seinen Preis.

Für morgen dann haben wir beschlossen in die Medina zu laufen – es sind gerademal 13km, locker zu schaffen.

geurlaubt

Die letzten Tage haben wir zwischen Merzouga und Zagora verbracht, in der Sonne geschwitzt, sind mitten in der Sahara in einem Pool geschwommen und haben einfach mal die Seele baumeln lassen.

In Zagora ging es für uns ähnlich weiter. Wieder unter Palmen – Bücher lesen und ganz arg viel Relaxen. Dort haben wir auch direkt die Wäsche gewaschen und im Kadetten für etwas Ordnung gesorgt.
Vor Ort habe ich auch ein kleines Miniaturmodell vom Kadett anfertigen lassen und war überrascht, dass der Erbauer das Auto so gut getroffen hat, obwohl er es nur kurz in Augenschein nahm. Tags drauf fanden wir uns in einem klapprigen Renault R4 wieder, geplagt von Zündaussetzern und der verrückten Fahrweise des Besitzers.
Mein Modell holten wir in dem Haus des Modellbauers ab und bekamen einen kurzen Einblick hinter die Fassaden – ausgesprochen interessant.

Anschließend – ich habe nichts anderes erwartet – fuhren wir zur Verwandschaft des Renaultfahrers. Dass hier keiner miteinander verwandt ist, war mir natürlich direkt klar. Dennoch freute ich mich sehr, denn schon länger wollte ich mir ein Teeservice kaufen. Schnell entdeckte ich die Objekte meiner Begierde – eine große Kanne, zwei Gläser und ein Tablett. Nichts davon made in China. Die Unterschiede habe mich mir zeigen lassen und wir nahmen platz um über den Preis zu feilschen. Es dauerte lange bis wir uns einig waren & ich denke der Preis war dann für beide fair. Ich bekam viel Lob & Anerkennung für mein Verhandlungsgeschick und der Verkäufer meinte dass man an Europäern normalerweise besser verdient.

im grunde urlaub

Der Campingplatz ist mitten im Nirgendwo recht nah an der Hauptstraße gelegen und nur rund 20km von der Ausgrabungsstätte entfernt. Der Besitzer heißt uns willkommen und erweist sich wie viele seiner Landsleute als echter Sprachkünstler. Als ich das Fiche ausfülle frage ich beiläufig ob er Brot verkaufe oder wisse wo man welches bekommt. Statt einer Antwort bekomme ich angeboten dass er ja für uns kochen könne.

Natürlich werde ich hellhörig und lehne bei „Hühnchen“ spontan ab und oute uns als Vegetarier. Wenn er aber etwas leckeres zaubert, das ganz ohne Fleisch daherkommt, hätte er mich am Haken.
Er fakelt nich lange und möchte direkt einkaufen gehen, wir verabreden uns für heute Abend und ich pflanze mich nun in meinen Klappstuhl um ein Buch zu lesen.

Die Sonne brennt ungnädig vom Himmel und ich bekomme dann noch Lust mir die Beine zu vertreten. Weil hier außer Bergen – das ist mir jetzt zu anstrengend – nix ist, schlendere ich einfach mal runter zur Straße. Wie das so ist, lümmeln an jeder Ecke Marokkaner herum und grüßen alle ganz freundlich, erkundigen sich nach meinem Befinden und lassen mich dann weitergehen. Mir gefällt es hier – ich werde wohl nie genug davon kriegen. Die gesamte Szenerie am Straßenrand ist unglaublich interessant, irgendwie amüsant und auch ganz spannend. Jetzt aber wird es langsam Zeit zum Essen zu erscheinen, ich bin schon gespannt was es denn Leckeres gibt.

es riecht nach schlaf

Nach rund einer Stunde Fahrt kommen wir in Martil an. Am Eingang stehen bereits die Lieben mit ihrem Landrover und glaubten uns bereits vermisst. Schnell ist die Behausung aufgebaut und im – unter schwersten Bedingungen – gereinigten Kochtopf köcheln Nudeln vor sich hin.

Pünktlich zum Essen ruft auch schon der Muezzin – ich lächle ganz froh und freue mich nach so langer Zeit wieder genau das zu hören. Am Tisch verkünde ich dass wir allesamt auch genau so geweckt werden und ich blicke in entsetzte Gesichter.
Herr P. gibt noch ein leckeres Bier aus und dann verschwinden wir schon früh in den Dachzelten. Schließlich haben wir alle einen wirklich langen Tag hinter uns.